Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, wer du eigentlich bist? Was dich ausmacht, was deine Werte sind und was du gerne mal tun odererreichen oder erleben möchtest, aber dich vielleicht nicht für möglich hälst oder dich nicht traust?
Foto: Yvonne Sophie Thöne Haare und Makeup: Hanna Göbler
Meine Vorgeschichte ist eigentlich sehr lang und könnte ein ganzes Buch füllen, aber ich möchte es mal kurz machen: Bis zur Einschulung mit 6 Jahren war ich sehr gefestigt als Charakter, ich war eine laute und willensstarke Person und dann gab es eine Grundschullehrerin, der ich als selbstbewusste Frau ein Dorn im Auge war. Ihr Unterricht fühlte sich mehr nach Bräuteschule als nach Grundschule an und es war ihr auch ein Dorn in Auge, dass ich als Mensch mit einer Vulva es wagen konnte, besser in Werken als in Handarbeiten zu sein. Skandalös! Das war so ein bisschen die Zeit, wo ich so ein bisschen das Vertrauen in mich verloren hat, diese eit mit 6 Jahren hat mich geprägt bis ins Alter von Mitte 20.
Natürlich war ich mir unsicher, zog mich zurück, war misstrauisch und hatte ständig Angst, das andere Menschen mich nicht mögen können. Bis heute ist das noch immer so, dass ich vor Events manchmal richtig Panik schiebe wie letztes Jahr bei einem Kurvenrausch Event, wo ich die Nacht vorher echt lange in Jonas Armen geheult habe aus Angst, dass da Menschen sind, die mich nicht mögen können. Ich weiß, dass klingt voll albern, aber diese Grundschullehrerin hat den Gedanken in mir gepflanzt: Du bist nicht gut so, wie du bist.
Nach schlimmen Beziehungen, viel Leistungsdenken und Stalking- und Gewalterfahrungen, die ich hier nicht näher detailt beschreibe, weil es dann eine Triggerwarnung bräuchte, habe ich mich vor einigen Jahren neu kennengelernt und ich finde mich ganz nett . Früher habe ich mich nur über Leistung definiert und war nie zufrieden. Wenn ich etwas gemacht habe, habe ich nicht den Erfolg gefeiert, nein, ich war schon mit dem Kopf im nächsten Projekt, mit dem ich dann wieder noch mal 10 Prozent mehr geben wollte. Es war einfach nicht anders möglich, als dass das rgendwann im Desaster enten musste.
ich glaube, wie viele von uns hat Corona mich dazu bewegt, dass ich noch mal eine Reise in mein Inneres antrete und das war noch mal sehr spannend, weil ich für mich erkannt habe, dass es einige Dinge gibt, die ich loslassen möchte, die ich hinter mir lassen möchte und spannenderweise was sind auch Dinge, die lange Zeit in mir verschüttet waren. Beispielsweise mein Bedürfnis nach einem Stil, der alternativ und auch kawaii ist.
Meine 13-jährige Bettina in mir drin möchte sich noch mal so richtig mit 31 austoben. Ich habe gerade erst eine wunderschöne vegane Schuhmarke aus Großbritannien entdeckt und ja, ich will spielen mit Outfits. Ich möchte mir dieses Jahr zum ersten Mal ein komplettes Leinenoutfit kaufen. Erst habe ich überlegt, dass es ein Kleid werden soll, aber jetzt wird es wahrscheinlich doch ein Rock und ein Oberteil – das kann man viel besser kombinieren mit Shirts und Hosen und so noch mehr Varianten schaffen. Momentan möchte ich mehr Kleidung tragen, die nach Picknick und über eine Blumenwiese hopsen aussehen und ich freue mich, dass ich diese Bedürfnisse wahrnehme und mich auch traue, sie auszuleben und mich nicht zu verstecken und so auch ein bisschen zu zeigen “Ich trage das, worauf ich Bock habe und du kannst das auch!”. Sobald das Wetter mal wieder weniger blöd ist ganz viel Picknick am Strand bei uns geplant. Zwei haben wir schon gemacht dieses Jahr … und es werden sicher auch noch einige folgen, Samstag gucken wir uns bei 6 Grad einen potenziellen Lieblingsstrand via Fahrradtour an.


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