#PinkyGate – wo ist das Problem? Pinke Einweg Handschuhe für die Menstruation

So einen Quatsch…. . Bevor mann jemanden kritisiert villeicht bei sich anfangen👎👎👎

Das war einer der Kommentar unter meinem Video auf Youtube zu den Pinky Gloves. Und nein, kein einziger Mann hat sich zu dem Thema bei mir auf Instagram oder Youtube geäußert. Dafür gab es aber Dutzende Nachrichten, schriftlich und auch zum Teil 10 Minuten Audio von Frauen, die sich über das Aufregen aufregten. Meta-Aufregen quasi.

Kernaussage der Kritik über die Kritik war im Grunde genommen immer:

Wenn du das Produkt nicht kaufen willst, dann kauf es halt nicht … aber ich finde es sinnvoll/ ich kann mit vorstellen, dass andere Menschen es sinnvoll finden/es hat seine Daseinsberechtigung

Worum geht es überhaupt?

Am vergangenen Dienstag lief das Format „Die Höhle der Löwen“ auf Vox. Das Startup Pinky Gloves stellte sich als „echte Frauenversteher“ vor mit 12er Packs pinker Einweghandschuhe für ca. 5 Euro, die dazu dienen sollen, unterwegs hygienisch seinen Tampon zu entfernen und zu entsorgen und anderen Menschen den Anblick zu ersparen, einen blutigen Tampon zu sehen.

Geht es bei der Kritik und #pinkygate darum, dass man das Produkt nicht kaufen soll?

Darum geht es in erster Linie nicht. Jeder, der das Bedürfnis hat zu statt Einweghandschuhen im 100er Pack lieber 12 Stück für einen deutlich teureren Preis zu kaufen oder auch statt kompostierbare Hygienebeutel diese Beutel zu kaufen, die aufgrund verschiedener Faktoren wahrscheinlich nicht recycelt werden, sondern in der Verbrennung landen, der darf das gerne machen. Ich persönlich kann beispielsweise mit diesem Produkt überhaupt nichts anfangen, weil ich seit vielen Jahren Menstruationstasse nutze und daher mein Set für unterwegs aus einer zweiten Tasse, was zum Hände desinfizieren, einer Wasserflasche und einem Stofftaschentuch besteht. Ehrlich gesagt kommt dieses Kit für die wenigen Male, die ich jetzt in diesem und letzten ja unterwegs war kaum zum Einsatz, weil ich diese Tasse meistens nicht in der Zeit, wo ich unterwegs bin, wechseln muss.

Ist das vielleicht alles nur kaltulierte schlechte Presse?

Einige böse Zungen kritisieren die ganze Aktion und behaupten, das Ganze sei nur ein PR-Stunt, ich meine, das könnte durchaus sein in der Theorie. Wäre das nicht eine schöne Geschichte, die man erzählt, wenn man zunächst einen total blödes und absurdes Produkt auf den Markt bringt und dann eine große Kehrtwende macht, seinen Fehler der Vergangenheit ein gesteht und einige Monate später dann ein nachhaltiges und wichtiges Produkt auf den Markt bringt? Wir sind es in Deutschland auch definitiv von einigen Marken gewohnt, dass sie bewusst Kontroversen erzeugen, um Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen, da dies gratis Werbung ist. Bei der Social Media Week in Hamburg vor 3 oder 4 Jahren dürfte ich beispielsweise einem Vortrag von und dem PR Team von Fernet Branca in Deutschland lauschen und ich muss tatsächlich gestehen, dass ich sehr positiv davon überrascht war, da diese unter den bereits älteren Slogan „life is bitter“ gezielte Plakatwerbung Innenstädten gemacht haben mit schwarzem Humor und damit zum Teil sehr große Medienaufmerksamkeit erzeugt haben, die sie als Werbung in den jeweiligen Medien definitiv hohe Beträge gekostet hat und wir reden hier von mindestens sechsstelligen Summen. Ein nicht so gutes Beispiel, wo ich ehrlich gesagt nicht genau weiß, ob ich das Unternehmen blockiert habe oder das Unternehmen mich blockiert hat, ist zu Fuß. Der einfache Grund dafür, dass mir dieser Smoothie Hersteller unglaublich auf den Sack geht ist, dass sie eben nicht nur einmal eine Kontroverse erzeugt haben durch Sexismus und Lookismus vir drölf Jahren, nein, es gab immer wieder welche und dann auf ernste Kritik nur hämische und beleidigende Antworten. Es war mir hab dann beim dritten oder vierten Mal Skandal für Presse echt zu blöd. Es gibt die Leute, die diese PR feiern und das so gut finden, natürlich auch welche die sagen: „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und ich weiß nicht, was ich davon halten soll, wenn ein Unternehmen frauenfeindliche oder fremdenfeindliche Kommentare nicht so meint, aber damit doch ein gewisses Klientel anzieht und Aufmerksamkeit bekommt. Deswegen kaufe ich die Produkte nicht mehr und beteilige mich auch nicht an dieser Diskussion, weil ich ja im Grunde genommen weiß, dass das nur eine verkaufsfördernde Maßnahme sein soll, dass das eine Mediendebatte werden soll und es ist einerseits die Leute gibt, die das ganze kritisieren und die, die diese Art der PR feiern und dann auch verteidigen: „die meinen das doch gar nicht ernst, checkst du das nicht?“ hier wissen wir einfach nicht, sind noch nicht an einem Punkt, um sehen zu können, ob das Produkt ernst gemeint ist oder nicht. Interessanterweise halten sich die Unternehmer bis auf ein Statement sehr zurück, halten die Füße still, es gibt keinerlei Stories oder Reaktionen bis auf ein Statement, das auch bereits zu einem Zeitpunkt verfasst worden ist, wo viele Menschen noch gar nicht so richtig auf das Thema aufmerksam geworden sind.

Was ist dann das Problem?

  • Ein valider Kritikpunkt ist definitiv, dass im Pitch bei “Die Höhle der Löwen” davon gesprochen wurde, dass sie mit “Frauen” gesprochen haben. Aber welchen Frauen? Ich habe einen sehr guten Beitrag auf Instagram gelesen, wo eben über die WG Situation mit Frauen gesprochen wird und stell dir mal vor, du bist eine Frau, du hast eine Periode und wirst von deinem männlichen Mitbewohner darüber angesprochen, dass er es nicht gut findet, wenn er deine Tampons findet im Mülleimer. Natürlich würden wir uns schämen, egal ob das unsere Schwiegereltern oder unser Partner oder unser Mitbewohner ist. Jeder kann heutzutage, selbst Grundachüler, können eine ganz einfache Google Umfrage machen und es gibt auch viele andere Anbieter wie SurveyMonkey. Warum ist nie jemand vor einem Fernsehauftritt gekommen und bei der Produktentwicklung, dass man wie jeder Student, wie jeder in der zwölften Klasse bei seiner wissenschaftlichen Facharbeit, dass man damals eine repräsentative Umfrage macht oder vielleicht doch eine nicht repräsentative Umfrage und da einen Amazon Gutschein für 20 € verlost unter allen Teilnehmern der Umfrage zum Thema Periode und ob sie so ein Produkt brauchen. Gab es da Marktforschung oder haben sie einfach nur ihre Mitbewohnerinnen aus der WG und Freunde gefragt? Denn eigene Freunde sind oft schlechte Kritiker, weil sie sich nicht trauen zu sagen, dass ein Produkt scheiße ist. Ich weiß, ich kann meine Freunde fragen, ob sie meine Illustration schön finden oder nicht und bis auf meine beste Freundin hören die meisten Leute sagen, dass sie es geil finden auch wenn sie es nicht geil finden. Egal, was man machen will, es ist glaube ich sehr wichtig auch außerhalb seiner Wohlfühlblase mal Menschen zu fragen, was sie persönlich von dem Produkt halten. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand außerhalb des Freundeskreises nicht mal vielleicht ein bisschen Kritik zu dem Produkt geäußert hätte, sei es nun aus Nachhaltigkeitsgründen oder anderen Gründen.

  • Ein Aspekt, der leider sehr untergegangen ist ist natürlich der Nachhaltigkeitsaspekt. Er wurde auch darüber gesprochen, dass es ein Wegwerfprodukt ist, was mir aber sehr sauer aufgestoßen ist, ist, dass bei der Sendung darauf hingewiesen wurde, dass das Produkt zu 100% recycelbar ist. Ich möchte jetzt niemanden fertigmachen, der das ganze so nicht weiß, weil ich ganz genau weiß, dass nicht jeder einen Physiklehrer und einem Chemiker in der Familie hat wie ich, die einen auch immer treten, wenn man nichts über Naturwissenschaften weiß…. Aber jedes Plastik ist zu 100% recycelbar, ob das da drauf steht oder in China fällt ein Sack Reis um es relativ egal. Die Frage ist halt immer bei dem Plastik, ob es sich auch wirtschaftlich lukrativ recyclen lässt. Und das ist eben bei einem großen Prozentsatz den nicht der Fall. Außerdem kann ich sehr empfehlen, wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte, dass man mal in der ZDF Mediathek verschiedene Dokumentationen wie Recycling in den USA oder auch zum Recycling System in Deutschland anguckt oder auch zu Plastikmüll Flut und was ist da für Probleme in Asien gibt aufgrund von Plastikmüll aus der ganzen Welt. Von den Plastikansammlungen im Meer möchte ich gar nicht anfangen… Wenn man einen Tampon in eine Plastiktüte steckt, dann kann man nicht erwarten, dass dieses Produkt recycelt wird. Selbst, wenn wir Menschen am Fließband hätten, die den Müll sortieren, können wir doch bitte nicht erwarten, dass diese Menschen wieder die blutigen Tampons herausfischen und das nachdem das ganze luftdicht verschlossen war und es wahrscheinlich zur Berufsbildung haben in dieser Plastiktüte?

  • Mir fehlt bei dem Produkt einfach die Innovation, dann es gibt selbst Hygienebeutel, die kompostierbar sind. Es gibt Einweghandschuhe, diese Handschuhe wirken auf mich nicht anders als gratis Färbehandschuhe, die man bei jeder Haarfarbe Packungen für zu Hause dabei hat. Wenn man sagt, dass man wirklich nur so ein Produkt für unterwegs haben möchte und nicht eine Großpackung Einweghandschuhe aus der Drogerie haben möchte, da kann man sich die gewünschte Menge auch einfach irgendwo in einem Internetshop bestellen, eine Menge von 12 Handschuh Paaren kann man wahrscheinlich bei der kleinen kompakten Größe auch einfach in einem normalen Briefumschlag versenden und sie werden definitiv zu einem Bruchteil des Preises. Dieses Produkt hat nicht wirklich ein Aspekt, das heraussticht oder besonders ist. Es ist im Gegenteil viel teurer als die meisten anderen Produkte seiner Art ohne wirklich ein tolles Alleinstellungsmerkmal zu haben über die pinke Farbe und die fancy Verpackung heraus.

  • Damit kommen wir zu einem sehr wichtigen Thema, dem Thema pink tax. Das ganze ist natürlich nicht eine offizielle Steuer, aber einen Begriff dafür, dass man Produkte in rosa für Frauen teurer verkauft als die jeweiligen Entsprechungen für Männer. Ein großes Beispiel dafür ist der Damenrasierer, da kann man gerne mal in die Drogerie gehen oder auch im online Drogeriemarkt gucken und die Preise vergleichen von ähnlichen Modellen von denselben Herstellern. Und hier haben wir einfach ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch: Einweghandschuhe gibt es für Cent Beträge, wahrscheinlich kriegt man sie dann auch im Einkauf für wirklich Bruchteil eines Cents. Und hier wird das Produkt in pink einfach für einen unglaublich teuren Preis verkauft.

  • Der wichtigste Punkt ist natürlich Scham oder Ekel vor der Periode. Und das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum sich so viele Menschen sehr emotional zu dieser Debatte äußern und sehr emotional geladen sind. Mensplaining, Periodshaming und dann auch noch der Satz, dass sie Frauenversteher sind… Ich glaube, dass alles Information und auch die oben genannten Punkte sind zusammen ein Konstrukt, wo man einfach sagen kann: wir reden 2021 in sozialen Medien über Nachhaltigkeit, über Klimawandel, über die Vermeidung von Plastikmüll und dieses Produkt kommt wahrscheinlich einfach 20 Jahre zu spät und wäre wahrscheinlich in meiner Jugend, wo es auch Tampons mit Plastikbeschichtung gab zum einfacheren einführen ein deutlich besseres Produkt gewesen, aber ist heute einfach absolut fehlplatziert in unserer Gesellschaft. Mein Mann drückt es sogar so stark aus, dass er sagt, es gibt keinen Markt dafür. Ich würde nicht so drastisch sprechen, weil ich denke, dass es schon Leute einfach aufgrund von der Optik kaufen würden, aber es gibt eben viele Leute in unserer Gesellschaft, nicht nur eine kleine elitäre Gruppe, sondern inzwischen immer mehr und mehr Menschen, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel durch die Fridays for future Bewegung beschäftigen. Es ist halt eine wirklich schwierige Geschichte, wo die Zielgruppe sein soll. Die Menschen, die gerade ihre Periode bekommen, die in der Jugend jetzt sich auch mit Fridays for future beschäftigen und Umweltschutz, die möchten kein Wegwerfprodukt haben. Und Menschen wie ich ab 30, die sind inzwischen so cool mit sich sind in den meisten Fällen, dass sie jetzt nicht extra eine Tüte brauchen oder vielleicht auch andere Produkte für die Periode nutzen, beispielsweise Menstruationstasse oder Periodenunterwäsche. Wo ist da die Zielgruppe? Und kauft man dann dieses überteuerte Produkte regelmäßig, nur weil es pink ist und man dann seinen Freunden zeigt: „ja ich habe pinke Handschuhe, in die ich meine Tampons einwickel“… Nein, auch, wenn ich offen über das Thema Menstruation spreche, muss ich nicht jeden meine Menstruationstassen in die Fresse halten.

Was können wir tun, damit der Aufreger nicht einfach verpufft?

Reden wir bitte mehr über das Thema Periode mit Menschen, die keine Periode haben und erzählen, was wirkliche Probleme sind. Bei mir sind es definitiv vor der Periode Brustschmerzen und Krämpfe. Und du musst nicht selbst etwas über deine Periode erzählen, das ist privat und Du darfst für dich selbst entscheiden, ob du darüber reden möchtest oder nicht. Aber ich finde, dass soziale Medien eine überraschend gute Informationsquelle sind, um sich beispielsweise zu informieren über das Thema Nebenwirkungen der Pille, Menstruationsgerinnsel, Zykluscomputer… Natürlich darf man nicht vergessen: das sind persönliche Erfahrung und der setzen eben nicht wissenschaftliche Ressourcen, weil es eben Einzelfälle sind und keine wissenschaftlichen Studien. Da sollte man natürlich auch kritisch bleiben, aber ich habe viel Wissen über das Thema Menstruation und weibliche Sexualität eben nicht in der Schule oder von Dr Sommer gelernt oder aus Frauenzeitschriften, sondern durch Engagement in den Sozialen Medien oder Podcasts rund um dieses Thema.

Und deswegen können wir Menschen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und Unternehmen, die nachhaltige Produkte herstellen im Bereich Menstruation fördern und mit ihnen in Kommunikation gehen. Du musst noch nicht mal diese Produkte kaufen, dann kein Mensch kann jetzt von jedem Unternehmen eine Menstruationsunterhose bei sich rumliegen haben. Aber wir können diesen Menschen auf den sozialen Netzwerken Folgen, ihre Beiträge teilen, kommentieren und Fragen stellen, auch selbst über das Thema mit anderen Leuten reden und so dieses Tabu brechen, dass man nicht über Periode spricht.

In dem Video erzähle ich ja auch, was für Produkte sinnvoll wären anhand von zwei Beispielen, die es noch nicht auf dem Markt gibt.




Eine Antwort zu „#PinkyGate – wo ist das Problem? Pinke Einweg Handschuhe für die Menstruation“

  1. ✌️✌️✌️✌️❤️🌈🌸

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