Selbstliebe ist eines dieser Buzzwords, dass in den letzten Jahren im Bereich Social Media mehr und mehr wurde. Aber was bedeutet Selbstliebe eigentlich? Und was ist Selbstliebe nicht? Ich versuche eine Antwort zu geben.
Aber vorab sei gesagt: Natürlich ist das meine subjektive Perspektive auf dieses Thema. Vielleicht stimmst du überhaupt nicht dem zu, was ich im Folgenden über Selbstliebe schreibe. Aber das ist vielleicht auch normal, denn meines Wissen und meiner Erfahrung nach definiere ich Selbstliebe als …
Die wichtigste und schwierigste Beziehung in deinem Leben
Selbstliebe heißt für mich, eine gute und stabile Beziehung zu sich selbst zu führen. Denn du kannst dich natürlich betäuben, Dinge verdrängen. Aber vor dir selbst weglaufen kannst du nicht. Und für jeden ist natürlich die Selbstliebe komplett individuell, denn jeder erwartet etwas Anderes von einer Beziehung.
Es gibt Grundfeiler der Selbstliebe beziehungsweise Herangehensweisen, die jeder versuchen kann, um zu sehen, wie gut die Beziehung zu sich selbst ist und so zu seinem Ist-Zustand kommt. Dazu brauch man keinen Ankreuztest in der Bravo und es gibt natürlich auch Methoden, die bei Person A besser und Person B schlechter funktionieren.
Ganz grob kann man einteilen in Methoden wie:
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sich selbst beobachten (Tagebuch führen, Stresskurve malen etc)
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Dankbarkeit festhalten (durch Tagebuch, Marmeladenglasmomente etc)
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sich selbst reflektieren und hinterfragen (Tagebuch, Glaubenssätze, hinderliche Überzeugungen erkennen etc)
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Ruhemomente im Alltag finden und Krafttankstellen (Spaziergang, Natur, Tanzen, Musik, Sport , Achtsamkeitsübungen etc)
Und es gibt da noch sicher viel weitere Punkte, ich schleppe seit Sommer zu dem Thema ein 500seitiges Fachbuch herum, das sehr interessant ist. Wenn ich das Thema Methoden vertiefen soll, dann schreib mir einfach einen Kommentar.
Auch mal Nein sagen
Ich glaube, das ist so das grundsätzliche Problem, wie wir weder uns noch anderen Mitmenschen helfen. Nicht nein sagen können ist ein Problem, dass mich viele Jahre meines Lebens begleitet hat. Nach meiner Grundschulzeit hatte ich mich sehr zurückgezogen, eine Grundschullehrerin hat mir suggeriert durch ihre Strafen mir gegenüber, dass ich mit meinem extrovertierten und starken Charakter nicht so gut bin, wie ich bin, und ich mich gefälligst klein machen muss, brav sein muss und die Fresse halten soll als Frau.
Und es geschah, was geschehen musste. Mir wurde immer wieder von meinem Umfeld klar gemacht, wenn auch oft nur unterschwellig, dass ich ein People Pleaser sein muss. Also wurde ich das. Und natürlich konnte ich nicht nein sagen. Ich wollte das Lob anderer, denn ohne das Lob anderer Mitmenschen war ich nicht gut. Ich wollte immer positives Feedback, jedes negative schmerzte mich unglaublich. Wenn Menschen mich nicht leiden konnten bei der Arbeit, lästerten oder ähnliches, dann fühlte ich mich hilflos und verloren. Und besonders nach dem Tod meiner Oma 2010 ging eine Verkettung unglücklicher Zustände los. Mein damaliger Freund, der dann zu mir zog in Ermangelung an anderen Perspektiven, weil er die Bewerbungsfrist für andere Studiengänge während seines Zivis verpennt hatte und nicht noch ein Jahr zuhause bleiben wollte.
Ich stürzte mich in Arbeit, statt meine Trauer, meine Probleme in der Beziehung und dieses übergriffige Verhalten, dass mein Freund sich einfach erst einmal 6 Monate in meiner Wohnung einnistete statt sich was eigenes zu suchen anzugehen. Und durch diese Probleme entstanden wieder neue. Mein damaliger Freund war eifersüchtig auf meine Hobbies und meinte, ich gehe fremd, weil ich ihm eben bewusst aus dem Weg ging.
Erst mit Mitte 24 folgte der Zusammenbruch, alles stürzte wie ein Kartenhaus zusammen. Ich denke, dass heute viele Menschen, mit dem ich eng am Theater zusammengearbeitet habe, mich heute auch aus dem Grund nicht mehr leiden können, da sie mich eben nur als People Pleaser kennen.
Meine große Erkenntnis war …
Hilf dir selbst und du hilfst Anderen
Auch als People Pleaser muss man sich selbst und seine Grenzen fühlen. Für mich begann die kritische Phase Ende 2012 und das ganze Jahr 2013. Aus heutiger Sicht waren die Anzeichen ganz klar. Ich hatte viel Arbeit, war kaum zuhause, ich aß wenig, ich achtete wenig auf mein Äußeres, ich trug sehr wilde Outfits und hatte eigentlich viel zu viel Arbeit, sodass ich irgendwann hätte Stopp sagen müssen. Letztendlich waren es 2014 aber äußere Umstände, die das Leben erst schwieriger machten und dann musste ich komplett die Reißleine ziehen.
Mein Onkel sagte da zu mir:
Du bist erst erwachsen, wenn du 2 Dinge begreifst und an eigenem Leib spürst.
1. Für dich selbst sorgen.
2. Zu begreifen, dass du nicht immer alles alleine schaffen kannst und Hilfe von anderen anzunehmen, wenn du sie brauchst.
Heute erzähle ich dir davon, dass ich ein People Pleaser war und mein Selbstwert immer von dem Lob von außen abhängig war. Dass ich bei der Jagd nach Lob mich selbst verloren habe, weil ich das Gefühl hatte, Perfektion sei das Mittel, um es allen zu zeigen, die mich je beleidigt oder gedemütigt haben.
Hey, ich war damals eben eine Idiotin.
Den letzten Gedanken mit der Perfektion als Rache hatte ich mit 17 Jahren mal in meinem Tagebuch formuliert, der Rest dieser Beobachtungen ist mir aber nicht wirklich vor dem Alter von 25 Jahren bewusst gewesen. Ich habe Therapie gemacht, auch neben einer Einzeltherapie eine Paartherapie mit einer sehr kurzen und krassen Beziehung. Dort habe ich mich unter Anleitung eines Menschen, der dafür bezahlt wurde, dass ich mich ausheulen kann, wirklich richtig selbst kennengelernt. Und auch das Handwerkszeug wie Journaling an die Hand bekommen, um weiter zu machen. Letztlich war dann in meinem späten FSJ mit 25/26 eine Reise nach Taize der Punkt, wo ich auch diese Vergangenheit und mein altes Ich ein Stück weit loslassen konnte.
Denn ich habe in den 2 Jahren von Sommer 2014 bis Sommer 2016 einfach über mich gelernt, dass ich als Person, die sich selbst komplett vergisst auch für andere Menschen nicht wirklich hilfreich bin. Denn ich vergesse mich, bin launisch und nicht belastbar.
Wenn ich aber die Beziehung zu mir selbst pflege und in einem guten körperlichen und seelischen Zustand bin, dann kann ich auch für Andere da sein. Und manchmal hilft es auch einem Freund oder Kollegen mehr, wenn du ehrlich nein sagst als ja zu sagen und es dann nicht zu wollen oder nicht zu können.
Sich selbst ein guter Freund sein
Ich weiß nicht, woher das in unser Gesellschaft herkommt, aber es geht immer um Leistung, alles wird zu einem Wettkampf. Ich hoffe, es ist heute nicht mehr so, aber direkt ab der ersten Klasse hieß es Wettbewerb und vergleichen und tatsächlich war ich in der ersten Klasse dann auch ein Problemkind, weil ich mit Abstand die Jüngste der Klasse war, die meisten waren 1 Jahr älter. Und trotzdem konnte ich schon gut lesen, schreiben und rechnen, weil ich das zuhause von meinen großen Geschwistern bereits vorher gelernt habe.
Also nicht nur: Sei der Beste!
Sondern: Sei der Beste, aber falle bitte nicht unangenehm auf. verhalte dich zurückhaltend, keiner mag Angeber.
Und durch all diesen Wettkampf sind in uns auch diese Gedanken wie
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“Sport muss anstrengend sein.”
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“Ich muss Sport für meinen Körper tun, auch, wenn es mir keinen Spaß macht.”
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“Diät und abnehmen darf keinen Spaß machen. Ich war disziplinlos und hab zugenommen, deswegen darf ich mich nicht über gesunde Ernährung freuen. Das darf ich nicht mögen. Ich muss mich quälen, das habe ich verdient.”
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“Wenn ich dick werde, wird mich keiner mehr mögen. Ich darf nicht dick werden.”
Natürlich sind das keine bewussten Gedanken, die wir aussprechen. Aber es ist in uns tief ins Unterbewusstsein gemeißelt, denn im Umfeld, in den Medien heißt es ja oft “Ja, ich muss jetzt auch wieder mehr Sport machen. Die Hose sitzt ganz schön eng. Ich hab mich ganz schön gehen lassen.” oder auch “Nee, Alkohol, das darf ich nur alle 14 Tage, ich mache Low Carb. Das hat alles zu viel Kalorien.” oder auch beim Essen gehen “Für mich nur ein Wasser, ich darf momentan nicht mehr als 1200 Kalorien am Tag.” Also den Energiebedarf eines Dreijährigen. Kein Wunder, dass man sich da schlapp fühlt.
Teil meines People-Pleaser-Ichs war auch, dass ich dünn sein musste. Denn mit 17 haben mich die Komplimente aufgrund von Liebeskummerabnehmen in eine Essstörung gestürzt. Nein, es war nicht GNTM oder die bösen Medien. Mein Umfeld hat mir so viele Komplimente fürs Abnehmen wie nie gemacht, also wollte ich immer weiter abnehmen und mich weiterquälen.
Ich habe mich die meiste Zeit meines Lebens schlimmer behandelt als ich meinen schlimmsten Feind behandeln würde. Ich habe mich gequält bei Sport, beim Hungern, habe literweise Wasser getrunken, um den Hunger kurzzeitig zu betäuben, meine Familie und Freunde belogen, ich hätte schon gegessen. Jahrelang hab ich nur durch viel Koffeinzufuhr überhaupt funktioniert, insbesondere in den Phasen, wo ich selten oder gar nicht gegessen habe.
Und viele von uns machen das immer und immer wieder. Wir denken, wenn wir dick werden, dann haben wir es doch verdient, uns zu quälen und keine Freude zu haben an Bewegung oder Ernährung. Wenn ich keine Zeit hatte, ins Fitnesscenter zu gehen, rannte ich wie eine Besessene zwischen meinen Univeranstaltungen eine halbe Stunde um den Wall in Göttingen. 2x, 3x, hauptsache möglichst viel Kalorien verbrennen und bloß nicht fett werden.
Heute sehe ich das Thema anders: Leider suggeriert die Gesellschaft immer wieder “Hauptsache dünn, denn dünn ist gesund” und übersieht gerne dabei, dass das eben auch dazu führt, dass es viele Menschen gibt, die sich einschränken, sich regelmäßig den Finger in den Hals stecken, Fressanfälle haben und verheimlichen … die Aufzählung könnte ewig weitergehen.
Was alle gemeinsam haben?
Wir behandeln uns selbst, unseren Körper, unsere Bedürfnisse wie den Feind.
Und stellen wir uns jetzt mal vor: Statt uns selbst fertig zu machen und scheiße zu behandeln tuen wir so, als wäre das unsere beste Freundin, die gerade mega Frust hat, weil sie super viel während des ersten Corona Lockdowns zugenommen hat.
Würden wir zu der Person gehen und sagen “Du hast dir das halt angefressen, nimm das ab, du fette Sau, geh halt laufen, wenn Fitnesscenter dicht hat! Du hast es verdient, bei jeder Treppenstufe in deine Wohnung zu spüren, wie scheiße verfressen du warst.”?
Oder würden wir unserer besten Freundin sagen: “Hey, stress dich doch nicht so! Es ist okay, wenn du einfach mal guckst, was du aktuell isst und dann vielleicht einige Lebensmittel austauschst. Weniger Curryketchup und stattdessen vielleicht Tomatensoße selbst machen. Wir können ja mal Rezepte googeln. Und wenn du nicht laufen gehen willst, kannst du doch Spazieren gehen. Und hier bei Youtube gibt es ganz einfache Tanzworkouts für schlechtes Wetter … guck mal.”
Ja, dein Leben darf Spaß machen. Deine Arbeit, deine Ernährung, deine Bewegung. Du darfst entscheiden, was du möchtest, denn du bist erwachsen und musst niemand da draußen etwas beweisen.
Selbstwert durch Selbstliebe
Jetzt hatten wir einige wichtige Punkte, die ich mal kurz zusammenfasse
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Selbstliebe ist das stetig gute Verhältnis zu sich selbst, die man dadurch erreichen kann, sich regelmäßig selbst zu beobachten und selbst zu reflektieren
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Selbstliebe hilft die, indem du auf dich achtest und so auch anderen Menschen um dich eine Hilfe sein kannst
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Selbstliebe bedeutet auch, Dinge zu tun, die einem Freude bereiten und sich selbst oder seinen Körper nicht als Feind, sogar als guten Freund zu sehen
Immer wieder bekomme ich Fragen zu meinem Thema Selbstliebe und ob das nicht egoistisch sei. Nein, an sich selbst zu denken ist notwendig. Selbstlos sein ist nobel, aber wenn du dich selbst dabei kaputt machst, ist das auch bescheuert. Es ist notwendig, dass du dich selbst gut behandelst, um auch sozial interagieren zu können.
Und was hat das Ganze jetzt mit Selbstwert zu tun?
Es ist ein ganz gutes Bild, wenn du daran denkst, wie du für ein Projekt zuhause in deinem Homeoffice arbeiten musst.
Option 1: Es ist mega chaotisch in deinem Büro, überall liegen Schuhe und getragene Kleidung rum, irgendwo noch alte Teller, die einen Abwasch nötig hätten, es könnte auch mal wieder Staub gewischt werden. Die Blumen in der Vase am Fenster sind total vergammelt. Zum Arbeiten kommst du nicht richtig, weil dir der Muff und dein Umgebung dich stört, aber irgendwie kommst du weder zum Arbeiten noch zum gründlich aufräumen.
Option 2: Du nimmst dir vor Arbeitsbeginn eine halbe Stunde Zeit und richtest dir deinen Arbeitsplatz so her, dass die Wäsche im Wäschekorb landet, das Geschirr abgewaschen ist und alles so ist, dass du angenehm und produktiv arbeiten kannst. Vielleicht machst du dir sogar eine Duftkerze an oder machst dir deinen Lieblingstee, machst Musik oder einen Podcast an, damit du angenehm die nächsten Stunden arbeiten kannst.
Es geht jetzt nicht darum, ob du eher chaotisch oder unordentlich bist im Alltag, sondern um das Chaotische in dir. Denn ein schwieriges Verhältnis zu sich selbst zu haben, verdrängte Konflikte, sich selbst nicht gut zu behandeln oder bestrafen wollen, dass ist alles ein Chaos innerhalb von dir, was du nach außen weitergibst. Wenn du dich selbst fertig machst oder wertlos fühlst, weil du gerade 2 Kilo zugenommen hast, dann ist dementsprechend auch dein Selbstwert natürlich geringer als wenn du sagst, dass du ein toller Mensch mit vielen Talenten bist und du auch toll bist und genug, wenn du mal nicht produktiv bist.
Vor dem Spiegel stehen und sagen “Ich liebe dich”?
Oft höre ich von Menschen, dass sie Selbstliebe albern finden und dieses Tiktok Bild im Kopf haben, dass jemand leicht bekleidet vor dem Spiegel steht und sich sagt “I love you”. Das ist natürlich ziemlich kitschig, aber why not? Mit sich selbst vor dem Spiegel reden, das ist nicht für jeden was.
Ich sehe Selbstliebe so: Ich bin ja eine gute Freundin und nicht mein Lovebird, dementsprechend bin ich mein eigener Cheerleader. Ich motiviere mich, ich mache mir Komplimente, ich sag mir, dass ich cool bin und meine Macken liebenswert. Das ist für mich der beste Weg, mit mir umzugehen.
Und genauso musst du dann einen finden, der in deiner Beziehung zu dir selbst für dich angenehm ist. Und dieser Weg ist vielleicht ein anderer als meiner oder irgendwelche Konversationen mit deinem Spiegelbild.
Mehr als ein Körper
Zuschriften, die ich immer wieder bekomme, drehen sich um das Thema:
Wow, wenn ich dein Instagram so sehe, bin ich echt beeindruckt. Ich wusste nicht, dass es bei Selbstliebe um mehr geht als um seinen Körper toll zu finden.
Das hat mich anfangs echt schockiert, denn ihr sehr ja meine persönliche Sicht auf das Thema Selbstliebe in diesem Artikel sehr gut zusammengefast und bislang ging es am Rande nur um den Körper. Selbstliebe ist ein Thema für jedes Alter, jedes Geschlecht. Denn eine Beziehung zu uns haben wir von unseren ersten bewussten Momenten im Leben bis zum Tod. Oder zumindest ab dem Zeitpunkt, wo wir uns selbst wahrnehmen und selbst reflektieren bis zu denen, wo wir es dann eventuell nicht mehr können.
Für mich ist der Körper dabei nur eine Teildisziplin und die Herangehensweise ist verschieden, denn eine andere Frage wird mir ebenso häufig gestellt.
Darf jemand Abnehmen wollen, der Selbstliebeaktivist ist?
Steht sehr oft in meinem Postfach, genauso wie Lästereien aus der Plussizeszene. Denn ja, ich bin selbst Plussize und die Plussize Community ist eben eine kleine Welt für sich im Internet, jeder kennt irgendwie jeden und dementsprechend kommen dann auch selten nachrichten wie
“Hast du gesehen, die sat vor 2 Monaten, sie würde nie Diätpillen nehmen und für was macht sie jetzt Werbung?”
Ganz ehrlich, jeder ist für sich selbst verantwortlich und darf selbst entscheiden, ob diese Person abnehmen möchte. Ich stecke da nicht drin, also beurteile oder verurteile ich das nicht. Jeder darf das für sich entscheiden, was er isst, ob er abnehmen möchte mit Shakes, Intervallfasten, FDH oder unter ärztlicher Betreuung, jeder muss selbst sehen, wie groß der individuelle Leidensdruck ist.
Ich persönlich für mich kann keine Milchprodukte, deswegen fallen viele Abnehmpulverchen weg und Anfang 2020 habe ich eher als Sportergänzungsmittel mal alles vegane an Shakes ausprobiert und solche Flavour Drops, ich fand das alles relativ ekelig. Aber muss ja jeder selbst wissen, ob er sich für 300 kcal so einen Shake mit Erdbeeraromazeugs reinzieht, der die Konsistenz hat von Mehlschwitze und auf der Zunge einen leicht brennenden, pelzigen Geschmack hinterlässt oder ob ich mir einfach für 300 kcal eine halbe vegane Quesadilla oder Kartoffelecken mit Fakejoghurtdip gebe, was mich persönlich happy und auch satt macht.
Jeder darf selbst entscheiden und ehrlich, ich habe Verständnis, auch ich habe 2020 ein bisschen zugenommen und habe mir jetzt vorgenommen, wenn das Fitnesscenter zu hat, schon täglich zumindest Sport zu machen und meine 10000 Schritte zu gehen. Wir haben einen Bauchtrainer, es gibt Youtubevideos, ich kann Tanzen, einfach Hampelmänner machen, Pushups, Kettlebell, Yoga, mit der Fazienrolle arbeiten … je, wie das Wetter ist und worauf ich Bock habe.
Sandra Wurster von den Bauchfrauen sagte mal bei einem Workshop:
Leben ist Bewegung!
Und so ist es. Leben ist nicht die ganze Zeit rumhocken und passiv auf Serien starren oder Podcast hören. Deswegen ist es okay, das du entscheidest.
Manchmal beginnt die Reise zur Selbstliebe im Inneren wie bei mir. Ich habe erst mich selbst kennenlernen müssen, habe durch viel Kranksein nach meiner Essstörung und emotionalem Essen zugenommen und mag mich jetzt mit mir und meinem Körper, weil ich eben täglich Sport mache, mich gesund ernähre und auch inzwischen hinterfrage, wenn ich das Bedürfnis habe, jetzt Kekse zu essen, es mir aber auch nicht verbiete und dann in einem gesunden Maß nasche.
Und manchmal startet es eben mit einer Veränderung, mehr Bewegung, mehr leckeres, gesundes Essen und dann fragt man sich, was diese Veränderung mit einem macht.
Wenn man eines sagen kann, dann wahrscheinlich, dass jede Selbstliebe eine andere ist und das ist gut so. Finde die Beziehung zu dir, die sich für dich gut anfühlt.



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