Weniger Ellenbogen und mehr Ehrlichkeit zueinander

Jeder kennt das von uns. Jeder. Und wahrscheinlich kam es schon aus unserem eigenen Mund. Du hast den Titel gelesen, du weiß, was ich meine …

Das die mit ihrem Aussehen einen Freund kriegt?

Die hat wirklich eine Beförderung bekommen, die!?

Oder in Zeiten von Instagram sieht es dann eben so aus:

Warum bekommt die eine Kooperation mit ihrem hässlichen, fetten Schwabbelgesicht?

Ist ist nicht curvy, die ist ja Figurtyp Pottwal, kein Wunder, dass kein Unternehmen mit ihr zusammen arbeiten will. Wenn ich etwas im Kleiderschrank habe, was sie trägt, dann würde ich das auf der Stelle verbrennen.

Du weißt schon, dass die Follower und Likes kauft? Und die ist in derselben Likegruppe wie ich. Wenn die mir dumm kommt, dann schicke ich mal den Unternehmen, mit denen sie Kooperationen macht, ein paar Screenshots. So eine dumme Kuh, ich sammel hier fleißig Screenshots und sie soll mal gucken, dass ich dann auch eine Kooperation bekomme.

Natürlich kaufe ich Follower, willst du mir dumm kommen oder was? Ich will ERFOLGREICH sein, da müssen die Zahlen gut sein. Denn es geht ja nur darum, deinen Schrott liest niemand, du denkst einfach nicht ökonomisch genug, du Hippie.

Boah, die kriegt auch nur Likes, wenn sie sich auszieht. Und ob die Abgenommen hat? Die steckt sich maximal den Finger in den Hals und macht das Elend, was sie ihren Körper nennt, mit Photoshop schön.

Ja, das sind alles Aussagen die ich selbst so oder so ähnlich bekommen habe, alle im Jahr 2020. Die von Instagram alle von Frauen aus der kleinen Plussize Bubble, wo jeder jeden kennt. Und ehrlich, wenn ich das noch einmal so schreibe, dann wird mir richtig übel. Ich weiß, einige von euch da draußen halten mich für eine sehr süße Person und ich befürchte, es ist wahr – ich bin da echt ein Sensibelchen. Ich bekomme physische Schmerzen und muss echt kotzen, wenn ich höre, wie jemand schlecht über andere redet.

Vielleicht ist ja Mama schuld daran?

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Foto: Klara StenzelFoto: Klara Stenzel

Foto: Klara Stenzel

Mutti ist definitiv die, die mich mit Höflichkeit und Zurückhaltung ausgestaltet hat. Mein Vater ist ja eher so der laute, extrovertierte Persönlichkeitsanteil. Meine Muddi intovertiert und höflich, aber auch irgendwie manchmal ziemlich anti und rebellisch. Und meine BFF Sid hat mich mit diesem “Ja, manchmal muss man eben sein Maul aufreißen und für seine Werte einstehen.” ausgestattet. Und das finde ich sehr schön. Denn ehrlich, ich habe kein Bock, ein Spielball zu sein.

Aber vielleicht liegt es auch an der Geschichte, die ich einst auf meinem alten Aufgerouget Blog niedergeschrieben habe zum Thema Mobbing. Jeder von uns wurde schon mal gemobbt, das ist klar. Es ist einfach zu sagen: “Ich hatte es nicht leicht, aber jetzt bin ich gestärkt daraus hervorgegangen.” Und, würdest du zugeben, dass du Täter warst. Ich war Täter. Definitiv. Jeder von uns. Und viele meiner Lehrer, wenn nicht sogar Lehrer. Die alte Dame auf dem Nachhauseweg, alle Klassenkameraden. Denn wenn ich weggucke, nicht eingreife, nicht sage: “Das ist doch Scheiße, lass mal diesen Kindergarten.”, dann mach ich mich auch schuldig. Und um das zu begreifen, musste ich fast von der Realschule fliegen. Auf dem Gymnasium und der höheren Handelsschule dann habe ich diese Lektion auch in die Tat umgesetzt und meine damals gewonnene Macht als gute Schülerin, bei der man auch mal im Zug die Hausaufgaben abschreiben konnte, genutzt, um Mobbing zu unterbinden. Ich hatte ja ein Druckmittel.

Ja, jede Trennung, auch nur von kurzzeitigen Bekanntschaften, kann manchmal schmerzhaft sein. Aber es ist auch heilsam. Vor kurzen hat jemand mit mir Kontakt abgebrochen und ich bin darüber sehr dankbar. Nein, ich muss nicht mit jedem gut auskommen und everybody’s darling sein. Mir ist die Qualität und Tiefe meiner Freundschaften wichtiger. Und warum ist das so geschehen? Weil ich wütend war, richtig wütend.

Wenn du mich richtig wütend machen willst, dann gibt es eigentlich nur 4 Möglichkeiten, das zu schaffen

  1. Du redest schlecht über meinen Mann oder meine Mutter oder diskriminierst Menschen, z. B. dumme Witze über Menschen im Rollstuhl, da kenne ich dann nix, da ist dann Vulkanausbruch Betty am Start

  2. Du redest abfällig über andere Menschen und versuchst dich selbst auf ein Podest zu heben. Ich werde vielleicht nichts sagen und mich distanzieren von dir. Vielleicht sage ich aber auch, dass ich das scheiße finde. Aber solche Menschen sortiere ich aus. Also bitte lästere mit jemand anders, ich bin da raus. Läster, so viel du willst. Aber bei mir bitte andere Themen, ok?

  3. Du nimmst etwas, was ich gesagt habe und reißt es aus den Kontext, verdrehst die Aussage … Da werde ich auch zum Prof.. Dr. Chrisitan Drosten. Irgendwo zwischen “Ich habe keine Zeit für den Mist.” und “Alter, was hast du für einen Auftrag?”

  4. Mich bevormunden, also zu sagen “Ja, du bist halt zu dumm/eine Frau, du verstehst das nicht, du machst jetzt mal lieber…”

Eine Person, die ich noch nicht so lange kenne, hat 2, 3 und 4 gemacht. Und ich erkläre euch vorab, wie ich über lästern denke.

Budda bei die Fische: ich kann nicht vermeiden, dass ich mal über jemand Drittes rede, der nicht im Raum ist. Aber ich mache es seit meiner Realschulzeit einfach so: Ich stelle mir vor, diese Person ist mit im Raum. Dann rede ich gleich viel bedachter und sage nicht “Die ist dumm.”, sondern z. B. “Ich finde das unüberlegt von ihr, Follower zu kaufen. Was ist, wenn jemand sie ein Kooperationspartner darauf anspricht? Aber natürlich muss sie das selbst wissen, wir sind alle erwachsen und wenn sie dazu steht, dann ist das doch vollkommen okay und letztlich ihr Bier.” Ich rede also nur so über Menschen, wie ich es der Person auch mitteilen würde. Verdreht jemand meine Aussage oder trägt das an die dritte Person weiter, dann kann ich eben dieser Person erklären, was ich gesagt habe. Ist ja auch irgendwie eine ganz gute Absicherung gegen Bitchfight, denn Leute, ich hasse Zickenkrieg.

Grund für diese Auseinandersetzung, die zum Bruch führte, war Tanja Marfo. Ja, die liebe Tanja aus Hamburg vom Kurvenrausch Blog. Denn ja, ich hatte es vor etwa zwei Wochen gewagt, den selbst gekauften Nagellack meiner Mama zu zeigen und dann abstimmen zu lassen, welchen Nagellack aus Tanjas Kollektion ich auf die Nägel packe für mein Business Termin in Hamburg.

Tja, da kam dann eine Direktnachricht rein, in der es etwa hieß:

Häh, warum machst du Werbung für die, so schlecht, wie du über sie redest!

Ähm, Halt, was ..!?

Du hast doch über Tanja gesagt, das sie ihre Mitarbeiter nicht bezahlt, dass du dann für die auch noch Werbung machst, ist doch mega dumm von dir.

Halt. Halt. Halt.

Wait a minute.

Wie bitte?

Ja, es gibt wenig Dinge, wo ich emotional krass reagiere. Aber hier haben wir einen klaren Fall von Grund Nummer 3. Alter Falter. Einmal tief durchatmen und wie erklärt: Was hatte ich gesagt? Denn ja, ich hatte es gesagt, als wäre Tanja Marfo im Raum, weil Tanja Marfo im Raum war. Sie war zu Gast bei einem Treffen in Hamburg, und ich hatte der Person, die eben mir nun diese Zeilen schrieb, gesagt:

Ja, ich komme ja selbst vom Theater und hab selbst finanzierte Produktionen gemacht, das ist echt harte Arbeit und du musst für so viele Kleinigkeiten Geld ausgeben. Du brauchst ja nicht nur die Location. wenn du irgendwo in einer Kirche oder einem Gemeindesaal spielen willst, dann musst du auch plötzlich an so Dinge denken wie Lichtequipment denken, vielleicht auch extra Boden für die Bühne auslegen, die Frage, ob du ein Podest brauchst für die Bühne, damit alle gut sehen können … Das kostet dann mal eben alles je ein paar Tausend Euro. Oder du musst eben Improvisieren, damit leben, dass es eher naturalistisch von der Inszenierung ist. Ich habe öfters gehört, wie Leute über Tanja gemeckert haben, weil sie Fahrtkosten von Models angeblich nicht übernommen hat. Nun ja, ich weiß das nur aus zweiter Hand und gebe nicht viel auf Gerede. Aber aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich ja: Sie zaubert da aus dem nichts diese alljährliche Veranstaltung und das ist doch richtig, richtig genial von ihr und wenn ich dann eben 50 Euro für Zugfahrten zahlen muss, um Teil des Ganzen zu sein, dann würde ich das machen. Ehrlich? Ich habe da auch schon verrücktere Dinge gemacht, weil ich eine gute Sache unterstützen will und diese Orga zu schaffen? ich denke, ich würde alle zwei Tage heulen und ich bin sehr dankbar, dass sie diese Plattform für uns geschaffen hat.

Ich möchte hier jetzt nicht den ganzen Dialog zu Füßen legen, ich kann auch gar nicht direkt zitieren, denn mein Gegenüberhatte mich blockiert. Also hier mal die Zusammenfassung: aus dem Gedächtnisprotokoll:

  • Ich werde wütend und frage, was das soll, dass das nicht okay ist, dass ich sowas nie gesagt habe, sie eine Aussage völlig aus dem Kontext gerissen hat.

  • Sie versteht nicht, warum ich so wütend bin, weil das ja nicht öffentlich ist (ja, das ganze war ziemlich diffus)

  • Sie schreibt mir, dass ich emotional sei, mich beruhigen soll, und dann soll ich die Nachricht noch mal in einigen Tagen lesen (Red Flag Nr. 4, Bevormundung, da macht auch der Ton die Musik, finde ich, ich würde nie mit jemanden im Imperativ reden oder schreiben …)

  • Ich schreibe, dass sie mich missverstanden hat und dass ich das Gespräch jetzt beenden möchte.

  • Sie schreibt, dass sie bestimmt nichts missverstanden hat und wiederholt ihre Forderung, dass ich das lesen soll.

  • Ich schreibe, dass ich das nicht tun werde und verabschiede mich.

  • Die Person sperrt mich für ihre Story, schreibt in ihrer Story, dass Sei nicht Selbstliebe, sondern Arroganz, andere schicken mir irritiert diese Story, fragen, ob ich gemeint sei.

  • Ich schreibe ihr, dass es wohl hackt, dass sie das vergessen kann. Und sie blockiert mich.

Ja, Drama Drama Drama …. Drama hinter der Bühne war ein Grund, warum ich nicht mehr Theater mache. Leute, ich bin zu alt für den Scheiß. Mein großes Learning der letzten 30 Jahre ist und bleibt:

Ich umgebe mich nicht mit Menschen, die schlecht oder missgünstig oder schlecht über Andere reden. Das können die in ihr Tagebuch kritzeln oder mit anderen Menschen lästern, aber mir macht das schlechte Laune und ich will mich nicht unnötig mit so einem Scheiß belasten, ich hab andere Dinge zu tun.

Z. B. Bücher schreiben, das ist so eine blöde Sache mit mir. ich schreibe grad an Manuskript Nummer 2, aber durch meine Arbeit, meinen Alltag, meine Reisen habe ich schon wieder 5 neue Ideen, notiere sie mir. Und wenn ich fertig bin, schreibe ich das nächste und bekomme dann wieder 5 neue Ideen … It’s the circle of Bettina’s mind. Meine kleine Kreativlawine im Kopf, die glaub ich auch mal anstrengend für Außenstehende sein kann. Fragt Jona. Die besten Ideen habe ich vorm Einschlafen, da muss ich dann teils um 1 Uhr nachts noch eine halbe Stunde in mein Handy diktieren.

Diese Person hat mich blockiert, nicht andersrum. Und nee, bitte keine Nachrichten mehr, was diese Person nun macht. Ehrlich, es ist mir egal. Ich bin ehrlich gesagt erleichtert. Soll sie tun, was sie will. Ich hoffe, sie wird glücklich und findet jemand, mit dem sie gute Unterhaltungen führen kann, aber ich bin da nicht kompatibel und es ist besser, wenn man da einen Schlussstrich zieht als dass es immer wieder zu unangenehmen Situationen kommt.

Aber genug von mir.

Jetzt frage ich mich natürlich:

Wie gehst du mit solchen Situationen um, egal, ob Instagram oder das analoge Leben, Beruf, Schule, Hobbies und so weiter?

Ich meine, ich bin da ja auch voll der Spezie, vielleicht siehst du das Thema ja auch ganz anders als ich?




Eine Antwort zu „Weniger Ellenbogen und mehr Ehrlichkeit zueinander“


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