Wir schalten den Fernseher an, die Mediathek oder gucken auf Joyn oder Twitch einen Livestream. Wir gucken Youtubevideos oder scrollen durch Instagram, Facebook, TikTok, einem Infinity Feed, der uns für wenige Minuten auf dem Weg zur Arbeit, aber auch stundenlang unterhalten kann.
Und was wir dabei fast vergessen? Das Ganze ist umsonst. Viele Blogger, Instagrammer, Tiktokuser, Youtuber, Streamer werden nicht wie ihre Kollegen von den klassischen Medien bezahlt. Natürlich, manch einer nutzt Adsense, Affiliateprogramme oder Werbebanner, manch einer versucht widerum, sein Geld durch Kooperationen zu machen und seinen Blog oder sein Medium zur Werbefläche zu machen. Aber doch allzu schnell vergisst man allzu gerne, dass der Weg bis dahin, auch eine attraktive Werbefläche zu sein.
Die Geschichte mit der Mail
Bevor ich zum eigentlich Thema komme, gehen wir einfach ein paar Jahre in die Zeit zurück. Mal ehrlich, wer von euch schreibt heute noch einen klassischen Brief oder gar eine SMS? SMS versende ich wirklich nur bei jenen und davon habe ich durchaus einige im Bekanntenkreis, die sich neuen Techniken verweigern und ein Handy ohne Internetzugang nutzen.
Warum schreiben wir Emails und Whatsapp? Es ist gratis. WIr müssen nichts dafür zahlen, ein Brief ist so viel mehr Aufwand, wir müssen eine Briefmarke kaufen, einen Briefkasten finden. Und am Ende dauert es auch viel, viel länger, selbst, wenn der Empfänger icht täglich seine Mails checkt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er schnelller eine Mail liest als einen Brief. Briefe, dass ist heute so eine Geschichte für Geburtstagswünsche und Urlaubskarten, wenn man denn noch Karten schreibt und nicht alles via Whatsapp teilt.
Und alles hat quasi damit begonnen, das Mailsgratis waren. Ich meine, Ende der 90er hatte man nicht so viele Möglichkeiten, kaum einer hatte einen PC – das kam erst schrittweise mehr und mehr in der Gesellschaft an. Die Post versuchte ja mal, einen E-Brief einzuführen und auch andere Dienste versuchten es mit sicheren Mails gegen Bezahlung und versprachen höhere Sicherheit oder ähnliches, aber nein, nichts setzte sich durch.
Warum bezahlen?
Warum ich euch das erzähle mit der Mail? Weil wir eben vor dem Dilemma momentan auch in der Welt der Content Creator stehen. Wir haben all diese Plattformen und die eine kommt, die andere geht und letztendlich haben viele Creator als Hobby begonnen, sich professionalisiert und machen jetzt gutes Geld oder machten gutes Geld, aber sind nun leider den Launen ausgesetzt, die manche wechselnde Algorythmen mit sich bringen.
Funktioniert das, kann es funktionieren, wenn man eine Paywall einführt und quasi seine Follower bittet, einen für einen Betrag unterstützen? Ja, es kann funktionieren. Aber ich glaube, man sollte nicht unterschätzen, dass man sich dann dafür als Person schon sehr etabliert haben oder etwas sehr Interessantes zu erzählen haben muss. Beispilsweise leben als Deutscher in Japan, Bau eines Tiny Hauses, Bau einen Unverpacktladens – ich denke, das wären so Projekte, die ich unterstützen würde. Aber warum soll ich Paywall für etwas zahlen, wo ich mir nicht sicher bin, ob mir das gefällt?
Das Dilemma mit der Reichweite
Als allererstes und wirklich großes Problem der ganzen Thematik sehe ich erst einmal, dass eben man immer dann zwei Kanäle bespielen muss, wenn man neben regulärer Tätigkeit bei Instagram oder ähnlichen Plattformen auch noch zusätzlich Patreon oder eine andere Seite bespielt. Und dabei sollten ja einerseits die zahlenden Kunden Vorrang haben. Auf der anderen Seit begründet sich ja der Grund, warum Leute dich unterstützen eben auch darin, dass sie deinem regulären Gratiscontent folgen und auch solche Dinge wie Kooperationen werden ja weiterhin dort und nicht hinter der Paywall stattfinden. Und letztendlich besteht bei Vernachlässigung das Risiko, Reichweite zu verlieren. Man sollte sich also genau überlegen: Ist eine Paywall das richtige für mich? Ist mein Thema interessant genug? Habe ich eine Community, die bereit ist, für diesen Content auch Geld zu zahlen? Oder benötige ich als Person erst einmal eine Runde Arbeit an meinem Konzept, um eine Nische zu finden, in der ich dort kommerziellen Erfolg haben kann? Oder gibt es nicht vielleicht andere Möglichkeiten wie Onlinekurs, Dienstleistungen, Coachings, mit denen ich Geld verdienen kann?
Ein Fazit?
Ja, wahrscheinlich habt ihr jetzt ein Fazit erwartet. Aber nein, ich muss euch enttäuschen. Dieses Thema ist wie fast jedes Thema ein jenes, bei dem man eben nicht pauschalisieren kann. Jeder hat diese Frage für sich selbst zu entscheiden. Für mich ist es momentan ein klares Nein, mir schwebt eine andere Zukunft momentan vor. Dennoch kann es durchaus sein und ich schließe nicht aus, dass ich vielleicht in 2 Jahren oder so, je nachdem, wie es mit meinen Projekten vorangeht, vielleicht doch irgendwann mal Patreon nutze. Aber das muss sich auch so entwickeln, dass es passt. Momentan ist meine große Geschichte 2020 der Aufbau des Veganaccounts, das Storytelling und das Schreiben. Ich schreibe und schreibe und schreibe und ich hoffe, ihr wünscht mir viel Erfolg.
Photo by John Schnobrich on Unsplash


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