#RespectMySize bei The biggest Loser? – Folge 4

Vorab

Was soll ich sagen? Es gab die positiven Momente bei der Sendung und Rezepten und Begleitwerken, aber es ist auch viel Bullshit dabei und Momente, die mich nerven oder mir wehtun. Es wird von Woche zur Woche schwieriger, der Sendung zu folgen, weil es eben immer dieselbe Schose ist und das ist irgendwie langweilig. Und gleichzeitig thrillt es uns auch nicht wirklich. Aber genug von mir, Jona hat die Folge zusammen gefasst.

Zusammenfassung

Die aktuelle Folge beginnt mit dem Probieren von Gemüse. Stangensellerie, Rote Beete und noch anderes rohes Gemüse auf Zahnstochern. Die Kandidat*innen verkosten als erstes blind die Gemüsesticks. Daraus werden dann ein paar “Highlights”, also Würgen und anderer Ausdruck von Ekel zusammengeschnitten. Natürlich wieder so ein Bloßstellmoment und es entsteht so ein Eindruck, dass die Kandidat*innen kein Gemüse essen. Meine Mutter hat immer frisches Gemüse zubereitet. Sellerie mochte ich früher auch nicht so gerne. Inzwischen allerdings sehr. So gesehen kann ich mich sehr glücklich schätzen, dass ich so aufgewachsen bin und Gemüse einfach mag. Bettina hatte es da etwas weniger gut. Allerdings ist sie natürlich kein Gemüseverweigerer und hat auch ihre Favoriten.

Anschließend kochen sie mit dem Gemüse, dass sie probiert haben. Uns hat bei dem gesunden Teller irritiert, dass keine Kohlenhydrate thematisiert wurden und nur von 3/4 Gemüse und 1/4 Eiweiß über Fleisch und Fisch gesprochen wird. Unser Standardteller beinhaltet 1/4 Kohlenhydrate, 1/4 Eiweß und 1/2 Gemüse. Scheinbar ist die Diät für die Kandidat*innen so ausgelegt, dass die Kohlenhydrate möglichst weggelassen werden sollen, um über Ketose möglichst viel Fett zu verlieren. Es gibt viele Food Judging Momente bei denen Gerichte und Lebensmittel als schlecht gelabelt werden. Das Kochen scheint echt viel Spaß zu machen. Einige Kandidat*innen wirken aber eher negativ und shamen sich selbst für ihre Vergangenheit. Besonders Ole fällt positiv auf. Er äußert, dass er sich alleine oft nicht motivieren kann zu kochen, aber in diesem Moment hat er realisiert, dass er das auch für sich in Zukunft machen möchte. Bis auf diese Situation sehen wir eigentlich kaum Momente in denen darüber gesprochen wird, warum die Kandidat*innen bestimmte Essgewohnheiten haben bzw. immer mal so zwischendurch in den einzelnen Folgen. Es wirkt eher wie so ein Nebeneffekt der gegebenen Aufgaben. Hier finden wir führt der starke Fokus auf die Gewichtsabnahme dazu, dass die persönliche Gründe zwar relevant sind und auch für die Lösung als notwendig erachtet werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass die persönlichen Gründe als weniger wichtig wahrgenommen werden und die Gewichtsabnahme im Kopf viel präsenter ist.

Als nächstes sind die Kandidat*innen am Strand. Sie bekommen die Aufgabe Beleidigungen, belastende Situationen und Kommentare , die sie verletzt haben. Sie sollen das mit Fingerfarbe auf ihre Körper schreiben. Anschließend bekommen wir zu manchen Wörtern und Formulierungen die Geschichten der Kandidat*innen zu hören. Alle haben ein ähnliches Mindset. Sie fühlen sich nicht fit, sind mehrgewichtig, empfinden ihr Essverhalten als problematisch und vor allem fühlen sie sich zu dick. Sie passen zur Show, denn sie sehen wie die Coaches und die Show im Allgemeinen ihr Gewicht als das zentrale Problem an. Als Jürgen in dieser Situation und auch später beim Wiegen erzählt, dass er seinen Körper mag, sind alle irritiert sowohl Kandidat*innen als auch Coaches und Christine Theis fühlt sich dazu berufen Ihn zurechtzuweisen. Jürgen ist keineswegs uneinsichtig, denn er weiß schon das sein Körper so wie er gerade ist nicht gut für ihn ist und er fit werden möchte. Aber das Gewicht ist das Problem und das steht immer wieder im Vordergrund. Es wir immer wieder reproduziert. Die Show schafft es zwar immer wieder Situation zu schaffen, in denen die Kandidat*innen mit ihren psychischen mustern und Kompensationsstrategien zu konfrontieren. Allerdings gibt das natürlich auch gutes Reality-TV. Auch Mobbing wird thematisiert, indem zwei Kandidat*innen über ihre Erfahrungen berichten. Das etwas flapsige jetzt zeigt ihr es denen und lasst eure Gefühle diesbezüglich so richtig raus. Beim Sport werden dann alle Worte abgeschwitzt. Luca sagt dann noch, dass er es allen zeigen will, die ihn gemobbt haben, indem er abnimmt und eine gute Figur hat. Diese Einstellung bekommt viel Aufmerksamkeit. Revenge Body als Ziel. Das geht doch ziemlich vorbei an einer Veränderung, die für einen selbst ist. Letztendlich löst das beim Zuschauer auch kein Umdenken aus. Denn “ein schlanker Mensch ist ein guter Mensch” wird dadurch reproduziert. Mobbing hört dadurch nicht auf. Mobbing hört auf, wenn es nicht von anderen toleriert wird. Was gut sichtbar anhand der Erzählungen der Kandidat*innen wird deutlich wie sehr Mobbing bestehende Probleme verschlimmert und überhaupt nicht hilft, dass Menschen, die nicht fit und mehrgewichtig sind, sich auf den Weg zu machen und etwas zu verändern.

Cindy ist beim Camp-Arzt. Es wird kurz erläutert welche Maßnahmen unternommen werden, damit sich das Wasser nicht in den Beinen sammelt. Es wird nicht weiter auf Ursachen von Wasserienlagerungen eingegangen. Allerdings sind diese auch recht vielfältig.

Danach ist die Team-Challenge. Es ist knapp. Team Rot spielt fair und gewinnt. In Team Blau zeigen sich einige als schlechte Verlierer. Gianluca zeigt einmal mehr, dass er der Master of Gewinnwollen ist und Niederlagen nur schwer akzeptieren kann. Chante brüllt die Kameramänner an und will nicht gefilmt werden. Sie ist auch schon während des Spiels sauer. Danach spricht nachvollziehbarerweise das ganze Team an. Allerdings bezieht Chnate die Kritik total auf sich. Allerdings fanden wir Ramin auch nicht wirklich pädagogisch wertvoll. Er ist der fordernde Coach der Leistung erwartet, während Petra doch vielmehr durch die Unterstüzung und Empowerment die Kandidat*innen motiviert. Aber wir haben auch nur einen Zusammenschnitt der Challenge gesehen. Deshalb können wir Ramins Kommentar nur bedingt beurteilen und in der Reaktion auf Chantes ausrasten beschreibt er seinen Anspruch und seine Hilfsbereitschaft gut.

Dann begleiten wir Benny zum Camp-Arzt und erfahren, dass er seine Diabetis- und Blutdruck-Medikamente nicht mehr einnehmen, weil seine Werte durch die Ernährungsumstellung in einem gesunden Bereich sind. Hier interessiert uns natürlich die Ernährungsumstellung im Detail. Besonders wie sehr die Ernährungspläne individualisiert sind und inwiefern der Sport miteingeplant ist.

Als Letztes kommt noch das Wiegen. Jeder hat gut abgenommen über die Woche. Jürgen nimmt “nur” 4,2 kg ab. Er hält sogar 10kg für möglich. Diese Erwartungshaltung ist schon kritisch. Wir finden Jürgens Mentalität gut. Am Ende wird er leider genau dafür rausgewählt. Denn Team Blau sieht in Cindy die stärkere Kämpferin. Aber vielleicht ist zuhause weiter trainieren genau das Richtige für Jürgen.

Fazit?

Uns ist langweilig. Die Sendung hat dieselbe Struktur, denselben Spannungsboden und ist langweilig. Wie halten Menschen das aus, die das schon mehr als ein Jahr sehen? Es bekommt mich an keiner Stelle, die Spannung durch Schnitt und Musik wirkt aufgesetzt. Ich bin ehrlich froh, wenn wir diese eine Staffel gesehen haben, ich für mich entscheiden kann, ob diese Sendung verboten gehört oder seine Berechtigung hat oder vielleicht doch nicht in unsere heutige Zeit gehört. Und dann wieder Hörbücher hören, Arte Dokus oder so, einfach mal was zum Entspannen.

Wie immer: Wir haben nichts gegen die Teilnehmer, die sind toll und wir freuen uns, wenn sie ihren Weg gehen. Aber der Schnitt und die Machart der Sendung, das Ausziehen vor der Waage, die Darstellung, dass die Teilnehmer komplett unwissend seien über das Thema Ernährung, das ist alles sehr schwierig und reproduziert ein Klischee unserer Gesellschaft, wo Menschen dann sagen: “Fette Menschen haben keine Ahnung von Ernährung und leben total unsgesund, hab ich ja in “The Biggest Loser” gesehen.”

Und diese Nachahmung von #RespectMySize?

Ich nehme ehrlich gesagt an, dass das ein Zufall war. und es gab ja auch innerhalb der Community die Kritik zu #RespectMySize “Warum sollte ich mir Beleidigungen auf den Körper schmieren?” Und diese Leute haben dann nicht mitgemacht und das ist vollkommen okay.

Hier ist der Grund stimmig, aber ist es die richtige Message zu sagen: Ich räche mich durch einen Körper, den die Gesellschaft erwartet, weil ich keinen Körper habe, den die Gesellschaft erwartet und mich deshalb mobbt? Was ist das für eine Moral?

Mehr dazu am Dienstag, den 02.02. hier auf dem Blog.





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