TRIGGERWARNUNG: In diesem Blogpost wird es um Essstörungen, Kalorienzählen und seelische Gesundheit gehen. Wenn dich Themen wie Binge Eating, Anorexie, Bulimie und gestörtes Essverhalten triggern, dann les bitte nicht besser.
Warum soll es nur ums Verlieren gehen,
wenn ich doch so viel gewinnen kann auf dem Weg zu einen “wenn, dann …”
Ich möchte doch lieber sein und mich im Hier und Jetzt spüren.
Bettina Barths Gedanken zu The Biggest Loser 2021
Warum ich The Biggest Loser bislang nie gesehen habe
Vorab sollte ich wohl sagen: Die Sendung “The biggest Loser” begann zu einer Zeit, da war ich schlank, hatte Anorexie und habe keine Nahrung gesehen, sondern Kalorienzahlen, die es um jeden Fall zu vermeiden galt. In der Zeit habe ich mich sehr um Schule gekümmert, war feiern, hab 3 bis 6 Stunden pro Tag Sport gemacht, hatte meine erste Beziehung, Freunde und nicht wirklich Zeit, sonntags vor dem Fernsehen zu hängen. Ich erinnere mich noch in der Schulzeit, dass andere, die wie ich am Dauerhungern waren die Sendung als “Thinspiration” gesehen haben, weil sie es nicht “so weit kommen lassen wollten”. Ich weiß nicht, so etwas brauchte ich nicht. Mir reichten, Spiegel, Sport, mein Puddingbuch mit Kaloienberechnungen und ich brauchte mir nicht Menschen beim Abnehmen zugucken als Ansporn, das ist doch mein Bier, mein Körper.
Später war ich dann an der Uni, bin entweder am Probewochenende vom A Capella Chor gewesen 1x im Monat und den rest der Zeit bin ich 6 Stunden von Göttingen nach Cuxhaven zu meinem damaligen Freund gefahren und war meist ab Sonntag ab spätestens 15 Uhr im Zug, weil ich Montag wieder zur Uni oder mein damaliger Freund zur Schile/zum FSJ musste. Dementsprechend ist mir ohne Fernseher und mit immer vollen Zeitplan die Sendung an mir vorbeigegangen.
“Bettina, warum tust du dir das an?”
Das werde ich nicht nur zum Thema Sport gefragt, auch dazu, warum ich 1 ganze Staffel “The Biggest Loser “ sehen möchte. Wie eingangs erklärt. Ich habe die Sendung nie gesehen, aber ich lese und höre dazu viel, wie scheiße und Fremdscham und menschenentwürdigend diese Sendung doch sei. Oftmals, wenn ich nachfrage, hat aber kaum einer diese Sendung gesehen oder nur mal die Vorschau. Oder mal vor Jahren. Ich meine, guckt man sich Sendungen wie manche Folge America’s oder auch Germany’s Next Topmodel an, weiß man: Das Ganze ist recht schlecht gealtert. Und ähnlich wie bei Reality TV Formaten denke ich: Bevor ich mir eine Meinung bilde, muss ich dem Format auch eine Chance geben. Ich kann dann nach einer Staffel sagen, ob ich es scheiße finde und wenn ja, warum.
Deswegen gucken Jona und ich zusammen die aktuelle Folge am Sonntag oder Montag und werden uns dann zusammensetzen und besprechen, wie woke und pädagogisch wertvoll wir die Sendung finden. Und zusätzlich schauen wir uns auf der Facebook Seite auch begleitend zur Sendung Workouts und kochen die Rezepte (veganisiert) nach. Alles Bonusmaterial geben wir uns nicht.
Der Titel ist allein schon ein großes Problem
Ich glaube, für mich persönlich war eine großer Grund, die Sendung nicht zu sehen, dass ich den Titel “The Biggest Loser” abstoßend fand, zu jeder Zeit. Um die Wette Hungern, das kannte ich aus der Schule zur Genüge, da haben öfters 2 Klassenkameradinnen dann mal um ins Kino oder zum Feiern einaden oder um einen Hunni gewettet, wer zuerst 60, 50, 45 kg wiegt. Um die Wette Hungern kenne ich also zur Genüge.
Und ich glaube, dass das einfach viele von vorne hinein abschreckt. Auch jetzt noch sehe ich das Konzept kritisch, dass der mit Geld belohnt wird, der am meisten Kilos verliert. Warum dieser Wettkampf? Warum ist das Gewicht der Parameter, der ausschlaggebend ist?
Ich oute mich jetzt als großer Fan von MTV Made. Die Sendung gab es nie in Deutschland und das ist super schade.Ich habe diese Heldenreise geliebt und für mich selbst gewünscht: Ich habe ein Ziel, ich bekomme einen Coach und Mentoren, die mir helfen, dieses Ziel zu erreichen und ich breche irgendwann zusammen, aber ich schaffe mein zeil, weil ich nicht aufgebe. Wenn es diese Art von Sendung in Deutschland geben würde, ich wäre locker dabei. Ich glaube, ich würde gerne auch was Sportliches machen, Neo Burlesque oder Ballet oder Ausdruckstanz, weil ich als Kind nicht zum Ballet durfte, weil meine Eltern keine Zeit hatten, mich in die nächste Stadt zu bringen und ich damals allein nicht Zug fahren durfte.
Dementsprechend: Warum ist es dieses seltsame Wetkampfprinzip mit Teams, warum ist es ein Wettbewerb, warum muss man Leute rausschmeißen und warum gewinnen nicht alle, weil sie einen Schritt in ein gesundes Leben gehen, Ernährungsumstellung machen, mehr Bewegung haben und sich besser in und mit ihrem äußeren und inneren Selbst fühlen? Ich verstehe diese dramaturgischen Mittel nicht, denn sie sind ausgelutscht und langweilig. Selbst Germany’s Next Topmodel hat mit zwischenzeitlich Teams oder Mottowochen ihrem Konzept ein Rebrand verpasst. Selbst Weight Watchers heißt jetzt “Mein WEEEEEH WEEEEEH +”. Wird dann nicht auch Zeit für ein Rebrand von “The Biggest Loser”? Meinetwegen “Mein neues Leben” “Start in ein gesundes Leben” oder was auch immer.
Kommen wir zur Folge 1: Bootcamp
Ich werde jede Folge in Stichpunkte unterteilen, die uns aufgefallen sind. Auf die gehen wir ggf noch mal detailierter ein, wenn nötig.
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Als erstes werden natürlich die Kandidten auf die Insel gebracht und ein wenig vorgestellt. Es ist Januar, wir träumen uns also zurück in den Sommer auf eine griechische Insel mitten im Corona Lockdown. Ich meine: Wer von uns will das nicht? Und ich muss ehrlich gestehen: Ich finde jeden Menschen da sympathisch und nett, ich wünsche allen, dass sie glücklich werden, eine gute Beziehung zum Essen, zu ihrem Körper und sich selbst finden. Egal, wie weit sie kommen, ich wünsche ihnen, dass sie sich ihre Wünsche erfüllen können.
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Erste Challenge: 1 km laufen an der Strand Promenade. Okay, Hier tönen meine Alarmglocken, denn mir hatten vorab einige Sportpädagogen geschrieben, dass die Sendung schlecht sei, weil die Workouts dort nicht adipositasgerecht sind und eher schaden als helfen bei Menschen mit starken Übergewicht und wenig Muskelmasse im Verhältnis dazu. Die Wahl des Untergrunds hat wahrscheinlich weniger medizinische und eher Storytelling-Gründe. Jona und ich hoffen, dass wir vllt noch was Anderes sehen, aber okay, ein Kilometer ist noch vertretbar. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung: 8 km Spazieren auf Asphalt ist schon für mich anders und durchaus unangenehmer als 15 km über nachgebenden, weichen Waldboden. Deswegen finde ich Sport auf weicheren Untergrund oder idealerweise im Wasser besser, weil gelenkschonend. Vielleicht kommt ja noch später etwas Strand oder Aquafitness?
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Rumgezicke nervt. Ich will nicht darauf weiter eingehen. Ich finde jetzt keinen sympathischer oder unsympathischer, weil er vielleicht so geschnitten oder so getriggert wird, dass er im Fernsehen blöd und nach Dramaqueen aussieht. Ehrlich, muss das sen? Meinetwegen können sie das rausschneiden. Mir geht es darum, dass die leute eine gesunde Umstellung ihrer Lebensumstände hinbekommen, deswegen werden diese Reality TV Themen großzügig von uns jetzt und in Zukunft ausgeklammert.
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Es gibt ein Workout im Sand, dass sehr gut aussieht. Weicher Untergrund ist natürlich auch anspruchsvoll fürs Training. Ich als gebürtige Cuxhavenerin bin direkt ein wenig neidisch auf Strand und Temperaturen, sitze ich doch gerade in der strandfreien Grünkohlstadt. Das hätte ich mir gerne als Workout der Woche gewünscht, aber dazu später mehr.
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Während des Workouts kommt ein Kandidat nicht mehr hoch und ihm wird keine Hilfe angeboten, nein, die Kamera wird draufgehalten und einer der Teamleiter sagt: “Ja, ist scheiße, wenn du jetzt schnell aufstehen müsstest”. Ich verstehe, dass das ein Ansporn sein soll, aber ich muss echt heulen bei diesem Anblick. Statt zu sagen: “Keine Panik, nimm dir bitte deine Zeit, nicht hypventilieren, kommzur Ruhe und versuche für dich einen Weg zu finden” wird dem Mann noch Panik gemacht. Das tut mir weh. Ich verstehe, dass diese Menschen frei entschieden haben, dass sie dort von Kameras begleitet abnehmen und etwas ändern möchten, aber mir tut es weh, dass dieser Mensch so vorgeführt wird.
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Ich liebe liebe liebe die zweite Challenge. Es soll eine 40 m lange Strecke durch den Sand gelaufen und ein Turm auf Sand gebaut werden. Ja, das klingt nach Spaß, ich wäre sofort dabei. Sie spielen übrigens um T-Shirt und ums Einzug ins Camp, das hatten wir noch nicht erwähnt- Jona und ich wollen das (mit kleinen Steinen) nachspielen im Sommer, vielleicht, wenn Corona es zulässt, auch zu meinem Geburtstag als Strandparty in Cuxhaven oder Hamburg mit Volleyball und eben dieser Challenge. Ja, sie ist natürlich auch anstrengend, davon darf es gerne mehr geben.
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Irgendwann in der Sendung wird auch auf die seelische Gesundheit der Kandidaten eingegangen und das ist wichtig und eine tolle Message. Denn bei vielen Menschen mit starken Übergewicht ist der Punkt eben nicht, dass sie faul oder zu dumm für gesunde Ernährung sind, nein, sie kompensieren mit Essen, sie bauen sich damit eine Schutzschicht auf, lenken sich ab, betäuben sich oder verlassen nicht das Haus, weil in ihnen Scham und Angst regiert. Das ist natürlich immer eine individuelle Geschichte. Das darauf eingangen wird, ist wunderbar und der größte Pluspunkt dieser Folge und auch gut, dass sie nicht nur medizinisch, sondern auch mental unter die Lupe genommen werden. Aber eine kleine Stimme in mir sagt zwifelnd: “Machen sie das, weil sie den Teilnehmern helfen wollen oder machen sie das für ein besseres Storytelling? Um die Druckpunkte der Kandidaten zu kennen und sie zum Heulen bringen zu können?” Hm, wer nicht versteht, was ich mit Storytellinggründen meine, der kann gerne mal die Serie “UnREAL” gucken. Ich habe Bekannte, die beim Film und auch bei Reality Formaten in Crews arbeiten und ja, trotz eigener fiktiver Story zeigt die Sendung ganz gut, wie Reality Sendungen zwar nicht geskriptet sind, aber doch gesteuert werden, damit es so erscheint, als gäbe es ordentlich Drama.
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Zur Auswahl in die Teams muss ich nicht viel sagen. Wir hätten es alles gegönnt und hoffe, dass alle ihren Weg gehen werden.
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Der negative Punkt und absolute Cringe Moment für Jona und mich kommt noch, wir sind uns einig: Die theoretischen Nachher-Bilder!!! Wir verstehen den Sinn dahinter, wir verstehen, es soll ein Ansporn sein für die Kandidaten, um abzunehmen beim großen Wiegen. Aber es bleiben für uns da Fragen.
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Warum müssen alle ihr Tshirt ausziehen? Ist das nicht so der Fremdschämmoment und dieses Vorführen, was viele vorab zu der Sendung gesagt habe? Ob das Tshirt jetzt angezogen bleibt oder wegkommt, das macht keinen großen Unterschied.
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Warum gibt es diese nachher Bilder, wo das Gesicht des jeweiligen Kandidaten lächelnd auf den immer gleichen Frauenkörper oder Männerkörper geschraubt wird nach dem Motto, das wird so genannt in der Sendung: “So KÖNNTEST du Aussehen mit Normalgewicht” Zur Erklärung: Erst wird der Ist-Zustand mit Gewicht angezeigt, vorher wird natürlich nicht gelächelt. Und dann ein Bild mit lächelnden Gesicht und dabei wird der immer selbe Frauen- oder Männerkörper gezeigt. Das Gesicht ist etwas dünner retuschiert, die Tshirtfarbe ist immer eine andere. Aber der Körper. Immer gleich. Was will uns der Künstler, die Sendung damit sagen? Was kommt beim Zuschauer an? Was denken die Zuschauer, die vielleicht keinen Menschen mit Übergewicht im Umfeld haben? So schlimm geht es mir doch nicht, weil ich schlank bin, hab ich mein Leben im Griff? Du wirst glücklicher, wenn Du schlank bist? Wir müssen alle denselben Körper haben, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden?
Ich verstehe die Motivation dahinter, dass das ein Ansporn sein soll für die Teilnehmer, aber es ist eben diese uralte Rhetorik von dem typischen Vorher-Nachher-Bild. Beginnt mein Leben erst, wenn ich schlank bin? Darf ich nicht glücklich sein, wenn ich nicht den gesellschaftlichen Standards entspreche, wie ein Mensch auszusehen habe? Ist dann auch berechtigt, wenn ich institunalisiert und persönlich von Menschen ausgegrenzt und angefeindet werde, weil ich nicht dieser Norm entspreche? Houston, ein Fatshaming Komet befindet sich auf den Weg in deutsche Wohnzimmer. Und er verfestigt vorhandene Vorurteile und trägt nicht dazu bei, dass Menschen sich wohlfühlen. Diese Rhetorik schreit danach: Sei nicht so faul. Du darfst dich nicht wohlfühlen, wenn du dick bist, sei mal nicht so faul, sei mal nicht so träge. Lass dich nicht gehen. Typische Leistungsgesellschaft, Leistungsgerechtigkeit. What you do is what you get. Und die kleine Stimme meiner ehemaligen Anorexie jubelt in mir, führt einen Freudentanz auf, hebt dann mahnend den Zeigefinger und zitiert Kate Moss: “Nichts ist so gut wie der Geschmack, dünn zu sein.” “Einmal im Mund, für immer auf den Hüften.” Wow, diese Bilder sind für mich einfach zum Ende der Sendung, die nicht so schlecht wie erwartet war, dann doch ein großer Downer zum Abschluss. Für mich fühlen sich diese motivierenden Bilder nicht minder gefährlich an als manches Teenie Photoshop Experiment von Pro Ana Blogs im 2005.
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Kleiner Exkurs: Pro Ana Blogs und schwieiger Content im Netz zum Thema Abnehmen
Vielleicht sind nicht jedem Pro Ana Blogs ein Begriff, daher eine kleine Zeitreise zurück ins Jahr 2003 bis 2009, die Hochzeit der Pro Ana Blogs. Pro Ana steht für Pro Anorexia und sind anonym geführte private Blogs von Userinnen, die dort ihr Abnehmen oder auch ihr Leben mit Anorexie dokumentieren. Oft waren diese Seiten ähnlich aufgebaut, es gab Texte, wirkliche Gebetstexte für Ana und Mia, Anorexie und Bulimie, die in den Texten wie Freundinnen und Helfer angesprochen werden. Neben Texten und Abnehmtipps, of Tipps zum Vermeiden vom Essen, werden Gewichtsverlauf, Rezepte mit möglichst wenige Kalorien geteilt und Thinspiration Bilder gepostet. Oder es wird über Fressattacken, Erbrechen und nervige Eltern geschrieben. Ich hatte nie so einen Blog, es gab aber viele auf Myblog, wo ich mal einen privaten Blog hatte. Und obwohl ich selbst Anorexie in dieser Lebensphase hatte, fand ich die Vorstellung Essstörung als Ersatzreligion immer befremdlich.
Fazit zur ersten Folge
Ich würde gerne sagen: Der Titel braucht ein Rebrand und sonst ist alles Tutti, der Fokus ist halt start auf Gewicht und nicht noch nicht auf anderen gesundheitlichen Parametern. Muss im Jahr 2021 noch der Druck sein, dieses Gefühl davon, dass sich Abnehmen und Selbstliebe oder Dicksein und Selbstliebe sich widersprechen?
Aber sorry, diese Photoshopbilder haben sich eingebrannt und dominieren auch unser Fazit als das dicke Ende. Nach einer Folge würde ich keinen Menschen raten, diese Sendung zu sehen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass die bisherige Rhetorik irgendetwas für die eigene Mentale Gesundheit tut. Es wird nur der Voyeurismus in das Leben anderer und deren Sorgen und Probleme befriedigt. Da gucke ich persönlich lieber eine gut geschriebene Serie mit fiktiven Charakteren, denn die können nicht von einem Shitstorm verletzt werden.
Die Bildsprache ist für uns beide schwierig:
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Es ist immer derselbe Körper und das ist einfach nicht der Realität entsprechend. Selbst, wenn man sich gleich viel bewegt, wenn man genau dasselbe an Sport macht, unsere Körper werden noch immer verschieden aussehen.
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Dieser Ansporn zeigt ein Nachher, für das man kämpfen soll. Aber fördert diese Sichtweise nicht Hass und Feinschaft zum eigenen Körper? Es sagt ja: Du musst heute leiden und dier erkämpfen, einen schönen Körper zu haben. Mit einem schönen Körper lösen sich aber nicht all deine Probleme in Luft auf und daher ist ein Rückfall in alte Gewohnheiten nicht unwahrscheinlich. Nein, dein Leben wird nicht besser oder schlechter durch irgendein Gewicht ,dass du erreichst. Ich war eine Zeitlang schön schlank und wurde mit Komplimenten überhäuft …. und es war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich habe einfach daran gedacht, dass ich weiter abnehmen muss, ich stand so unter Druck, so unter Spannung, ich war oft der Ohnmacht nahe, ich habe mich betäubt und mein Hunger betäubt mit Wasser trinken, ich habe mein Hunger betäubt mit Koffein und Kaugummi kauen, ich habe so viel ans Essen gedacht, um ihn nicht zu essen und ich habe geträumt von Essen. Alles kreist du um dieses Thema und diese ganze Kraft, die ich in dieses krasse Thema gesteckt habe, habe ich eben damals nicht für Zeit mit meinen Freunden oder das Genießen meines Lebens verwendet.
Ich finde diese Rhetorik schwierig, dass das Leben war sie dann erst mit dem Normalgewicht glücklich und schön wird. Das auf dem vorher wild die Leute nicht lächeln und dass sie auf dem nachher Bild lächeln, Eben diese typische Art von Bild, was man vielleicht auch bei der einen oder anderen Diät Präparat Werbung sieht.
Für meinen Mann und mich, wir machen gemeinsam Sport seit einigen Monaten, geht es in erster Linie darum, dass wir unseren Körper fühlen und auch seine Bedürfnisse hören.
Deswegen machen wir vor einigen sehr gerne morgens Sport, weil wir uns damit aktivieren, weil wir sehen, wo wir gerade Schmerzen haben, weil wir damit in Bewegung kommen und so auch den Kreislauf auf den Tag vorbereiten. Und es heißt auch, dass ich auch mal drei oder viel Tage mal pausieren kann, mal nur 5 bis 10 km spazieren gehe und dann mal wieder 5 oder 6 Tage am Stück durchpowern möchte. Während ich diesen Blogpost schreibe, habe ich meine Periode und da weiß ich: Vorher ist PMS am Start, da geht 1 bis 2 Tage gar nichts, dann geht wieder der Sport besser und ich bin sogar während der Periode schmerzunempfindlicher. Wir fühlen, ob heute Leg Day drin ist oder ob wir lieber Full Body oder Arm Workout machen.
Ich finde, das zu einer Veränderung des Lebensstils, sei es nun das Ziel abzunehmen oder sportlicher zu werden oder was auch immer, auch dazu gehört, dass man ihm nicht nur an das Ziel denkt, sondern auch an den Weg und dass der Weg heißt: ich möchte mich selber spüren, ich möchte auf meinen Körper und seine Signale hören und lernen, ihm zu vertrauen. Es gibt viele Leute, die Angst vor Sport haben oder vor Bewegung im allgemeinen, die Angst haben vor dieser Veränderung, weil sie Ernährung und Sport sofort mit Restriktion verbinden. Und insgesamt habe ich das Gefühl, dass doch hier bislang in der ersten Folge eine sehr restriktive Rhetorik vermittelt wird, weil es bislang nicht zu Wort kam. Aber ich möchte nach einer Folge eben noch nicht ein Urteil fällen und die ganze Sendung auf ewig zu Schande Schande Schande verdammt. Ich möchte hoffen, dass es eben nicht nur um möglichst viel Gewicht verlieren geht, sondern auch um eine gesunde Beziehung zu sich selbst und seinem Körper.

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