#RespectMySize

#RespectMySize ging am Sonntagmorgen um 11 Uhr online und war eine Kampagne von den beiden langjährigen Bloggern Jules @schoenwild (schoenwild.de) und Verena @ms_wunderbar (theskinnyandthecurvyone.com).


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Bereits heute haben viele, viele Menschen auf Instagram Bilder zu dieser Aktion gepostet und ihre persönlichen Geschichten von Diskriminierung aufgrund ihres Gewichts geteilt. Selbst ich war manchmal wirklich schockiert über den Inhalt der Geschichten, da ich natürlich auch oft diskriminiert wurde. Einerseits macht natürlich jeder seine eigenen individuellen Erfahrungen und ich hatte beispielsweise in Sachen Liebesleben nie Probleme mit dem Thema Kleidergröße. Mein Problem damals war eher mein eigener Leistungsdruck, mit 17 schön für meinen damaligen Freund zu sein, was mich gemeinsam mit Komplimenten, die ich bekam, nachdem ich in kurzer Zeit viel abgenommen hatte, in eine Essstörung trieb.

Warum jetzt eine solche Aktion gestartet wurde? Anfang Juni hat buten und binnen einen Artikel über eine Cuxhavener Hotelbetreiberin, die keine Übergewichtigen in ihrem Hotel möchte, veröffentlicht. Es ist das eine zu sagen, dass die Möbel nur bis 130 kg tragen, aber die Frau sagte tatsächlich innerhalb dieses Artikels:

„Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick (übergewichtige Menschen) ertragen muss – ehrlich gesagt. Und ich weiß, wenn ich dick bin, dass da was nicht stimmt. Und es hat auch nicht jeder was mit der Schilddrüse.“

Leute, Leute, ich bin seit meiner Kindheit im Kulturbetrieb und lange im Bereich PR tätig gewesen. Ich habe mein erstes Plakat für eine Kulturveranstaltung mit vielleicht 10 oder 11 Jahren gemacht. Später habe ich wirklich richtig krasse Dinge mit Rechtsgeschichten am Theater erlebt und durch die Blogger und Social Media Welt bin ich sehr regelmäßig auf Veranstaltungen wie beispielsweise der Social Media Week in Hamburg und höre da auch so manche Geschichte, aber so ein PR Debakel ist mir noch nie untergekommen.

Ich meine, wie kann diese Frau sich trauen, so etwas zu sagen? Selbst wenn sie sich entschuldigt, die Worte sind draußen und der Schaden ist getan. Was allerdings das große Problem war und der Grund für diese Aktion ist nicht nur das Statement alleine, sondern das was an Kommentaren zu diesem Artikel kam, denn viele fanden das Verhalten der Hotelbetreiberin vollkommen in Ordnung.

Im vergangenen Jahr habe ich im Rahmen von zwei Dokumentationen, die beide auf YouTube zu sehen waren und im sich auch mit dem Thema Body Positivity beschäftigt haben beobachtet, dass Menschen bezüglich Gewichtsdiskriminierung immer noch denken, Menschen mit Übergewicht sind Freiwild. Da waren solche Kommentare dabei und noch durchaus schlimmere und beleidigende Kommentare. Es heißt ja immer wieder, Body Positivity sei Verherrlichung eines ungesunden Lebensstandards. Es fallen Worte wie „ungesund“ und dass man den Krankenkassen auf der Tasche liegt und dass man ja auch nicht Rauchen oder Drogen verherrlicht oder manche schreiben auch einfach, dass sie “Übergewichtige” ekelhaft finden. Aber wo kommt denn das ganze her, warum denken Menschen bitteschön so, warum bekommen sie Ekel, wenn Sie einen Menschen sehen, der nicht komplett photogeshopt ist?

Klischees und Schubladendenken beginnen von kleinauf. Eine ältere Dame aus meinem Posaunenchor hatte Fotos von Menschen mit mehr Gewicht in ihrem Süßigkeitenschrank, damit sie wisse, was passieren kann, wenn sie zu viel nascht. Eine andere ältere Dame zeigte mir ihr Fotoalbum und sagte, dass diese eine Enkelin so schön dünn sei und die andere muss ich ja aufpassen, dass sie noch einen Mann finde…

Diskriminierung beginnt in ganz kleinen Aussagen, in unserem Alltag. Mein Vater macht ab und zu Bemerkungen zum Gewicht anderer, da fauche ich ihn an wie ein Puma. Mein Vater ist halt schon etwas älter und ist direkt nach dem Krieg aufgewachsen und er denkt halt auch noch solche Dinge wie „Zucker zaubert“. Es ist eigentlich ziemlich paradox, dass er dann Gewichtsdiskriminierung betreibt ab und an, denn er ist ja in einer Zeit aufgewachsen, wo es ein Mangel gab an Lebensmitteln. Er selbst ist damals noch in seiner Kindheit mit Mehlsuppe und Lebertran aufgewachsen und ist für die Omis in der Nachbarschaft einkaufen gegangen, um mal einen Groschen für eine Süßigkeit übrig zu haben.

Diskriminierung wegen dem Gewicht zieht sich durch unser ganzes Leben. Wenn ich an meinen Sportunterricht denke, ist das ein gutes Beispiel. Ich konnte mir so viel Mühe geben, wie ich wollte, mehr als eine 4 oder vielleicht auch mal 3 war nicht drin. Ich bin sehr dankbar, dass ich damals in der elften Klasse und in Cuxhaven einen wunderbaren Lehrer hatte, der einfach mich an die Hand genommen hat und nach der Leistungsteigerung bewertet hat. Plötzlich hatte ich eine 2 in Sport, auch manchmal eine 2-, aber das war dann wirklich der Zeitpunkt, wo ich so richtig die Gewichtsdiskriminierung von meinen Mitschülern gespürt habe. Plötzlich haben andere Mitschüler gemeckert, dass es ja nicht sein kann, dass die Dicke eine bessere Note hat als sie, obwohl sie die Hälfte der Zeit gefehlt haben und anscheinend alle zwei Woche ihre Tage hatten….


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Ihr müsst euch vorstellen, dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt mit 17 eben meine Anorexie hatte. Als meine damalige Freundin in der Klasse das zu mir gesagt hat im Schwimmen, dem Lehrer gegenüber, dass sie halt findet, dass es unfair ist, wenn ich als dickerer Mensch eine bessere Note bekomme, da könnt ihr euch vorstellen, was in mir los war. Ich glaube ich habe danach drei oder vier Tage nichts gegessen, weil das einfach ein Schlag in die Magenkuhle für mich war. Sie hatte damals eine schwere Zeit um eine schwere Beziehung und bei ihr lief auch alles nicht so rund, aber das gibt ihr nicht das Recht, dass sie mich so schlecht macht. Diese Worte haben mich wirklich verletzt und unglaublich weh getan und sie haben halt einfach auch dadurch physische und psychische Leiden ausgelöst. Ihr wollt gar nicht wissen, was in den Tagen in meinem damaligen Tagebuch stand…. Drama.

Im Arbeitsleben angekommen bzw im Studium war eigentlich ist die meiste Zeit: Come as you are. Es gab daneben andere Probleme. Beispielsweise irgendwelche Liebesgeschichten. In einem Jahren am Theater kann ich ja wirklich aus Erfahrung sein: Das richtige Drama findet hinter der Bühne statt.

Vor allen Dingen in meinem Gastrojobs habe ich viel erlebt im Bereich Diskriminierung. Das begann beispielsweise damit, dass die Leute mich auf Facebook gestalkt haben und gesagt haben: Vor einigen Jahren sahst du aber noch viel besser aus und sie meinten damit die Fotos aus der Zeit, als ich Anorexie hatte. Ich glaube ich habe mehr oder weniger alle Fotos aus dieser Zeit gelöscht, aber kann natürlich nicht die Fotos löschen, die andere Leute von mir dort gepostet haben.

Das war für mich schon sehr befremdlich, denn wenn man selbst weiß, dass man auf diesen Fotos sehr krank ist und dass man tagelang nichts ist, um dann wieder ein bisschen alibimäßig zu essen. Dass man seine Eltern oder seinen Freund anlügt, schon gegessen zu haben. Dass man literweise Wasser trinkt und mit richtig knurrendem Magen ins Bett geht. Dass man sich hasst, weil man einen Apfel oder eine Banane zu viel gegessen hat. Das ist halt schon krass.

Aber meine damaligen Arbeitskollegen haben einfach nur meinen Körper gesehen und dachten: Dünner ist besser.

Mein absoluter Gipfel und mich die einprägsamste Erinnerung im Bereich mein Gewicht und Diskriminierung ist aber:

Stell dir vor, du wirst gekündigt, weil du deinem neuen Vorgesetzten zu dick bist. Und das zu einer Zeit, wo du gerade vor lauter Stress viel abgenommen hast und eh kaum isst…

Ist mir passiert und ja, ich musste oft bei Gastrojobs früher nicht nur 110, sondern 150 Prozent geben, weil ich mit einer größeren Kleidergröße als faul und bequem galt.

Für mich war das wirklich ein Schlag ins Gesicht, ich war zu dem Zeitpunkt ein totaler Leistungsmensch und mir abzuerkennen, dass ich keine Leistung bringe, weil ich 2 Größen mehr als meine Kollegin trage, das war echt scheiße.

Letztendlich hatte das ganze ein Happy End und habe einfach mehr bei der Nachhilfe gearbeitet und war darüber auch sehr glücklich, denn dort wurde ich total akzeptiert und angenommen wie ich bin. Es ging einfach darum, dass ich kompetent arbeite und Pädagogik und Wissensvermittlung ist halt eine der Sachen, die ich von meinem Opa kenne und liebe. Er war Physik- und Geschichtslehrer.

Letztendlich bin ich meinen Weg gegangen und bei mir war auch immer ein Problem das Leistungsdenken. Vielleicht liegt es gerade an meinem Körper, dass ich immer ein bisschen schlauer und sportlicher und aktiver und leistungsfähiger sein wollte, dass ich mit ihm genau gegen diese blöden Klischees, die überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben, ankämpfen wollte. Warum setzt man so etwas wie Intelligenz und Gewicht in Relation? Ich kenne so viele Menschen, die einfach einen super gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben, die sich beinahe täglich den Finger in den Hals stecken, weil sie Bilder von perfekten Menschen sehen auf Instagram und in den Medien, die einfach nicht mehr als 1000 Kalorien am Tag essen, weil sie Angst davor haben zu zu nehmen und dass sie dann nichts mehr wert sind.


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Und ich kenne genauso Menschen, deren Mütter wurden angeschrien im Supermarkt, weil die Tochter eben sehr schlank war und die Mütter wurden dafür verantwortlich gemacht, dass sie ihre Tochter doch endlich in die Magersucht Klinik stecken sollen.

Mich regt das ganze irgendwie auf. Es ist doch einfach nur Aussehen. Es ist doch nur ein erster Eindruck. Was kann ich schon aus dem ersten Eindruck gewinnen? Wahrscheinlich wie ich noch am ehesten den Stil eines Menschen anhand seiner Kleidung, seinem Make-up oder seinem nicht vorhandenen Makeup. Dazu bereite ich gerade auch einen Blogpost vor, warte aber noch auf ein paar Bücher, denn ich lese mich gerade sehr in das Thema Kleidung und Sozialwissenschaften ein, weil es super spannend ist. Aber die Form eines Körpers, was für einen Hintern die Person hat, was für Brüste die Person hat, das sagt mir rein gar nichts über den Charakter des Menschen. Vielleicht sagt es mir was, wenn die Person keinen BH trägt. Nämlich, dass sie vielleicht einfach kein Mensch ist der gerne BH trägt. Aber das ist auch alles.

Ein Körper ist ein Körper ist ein Körper ist ein Körper.

Und wir haben unseren Körper und wir sollten unserem Körper wirklich dankbar sein und natürlich sollten wir uns gesund ernähren und Sport machen, keine Frage. Aber das Tolle ist ja: du kannst Sport machen und du kannst dich gesund und ausgewogen ernähren mit jeder Figur.

Ich wünsche mir, dass es eben nicht nur bei dieser Aktion bleibt und das ist weiterhin eine große Community gibt, die laut ist und die aktiv ist. Dass wir einfach selbst bei einer nett verpackten Gewichtsdiskriminierung unsere Stimme erheben und sagen: „Du, das ist nicht in Ordnung, was du da sagst, damit verletzt du jemanden, damit verletzt du mich .“

So ein Wandel kann nicht von heute auf morgen passieren, aber ich bin mir sehr sicher, dass dieser Wandel möglich ist und dass unsere Kinder in einer Welt aufwachsen werden, wo die Omi ist nicht mit dem Finger auf einen dicken Menschen zeigen wird und sagt: Wenn du zu viele Süßigkeiten isst, dann wirst du so aussehen. ( ja, das habe ich leider so erlebt. Ich habe diese Dame dann auch ein bisschen zurechtgewiesen im Zug. Aber sie hat ganz nett reagiert und ich glaube, sie macht es nicht wieder.)




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