Emotionales Essen und die Angst vor dem Zunehmen

Liebe Leute, ich poste jetzt mal nicht das Foto aus der App hier, weil ich niemanden triggern möchte, der vielleicht bei diesem Thema etwas empfindlich ist. Ursprünglich habe ich einen ähnlichen Post wie diesen in einer Facebook Gruppe zum Thema Plussize Mode gepostet, diesen aber dann wieder gelöscht, da es von vielen Mitgliedern nicht erwünscht war bzw sie nicht verstanden haben, worum es geht.

Hier lest ihr im Folgenden die unveränderte zweite Version des Posts: hinzugefügte Passagen sind durch diese kursive Schrift markiert.


Photo by Helena Lopes on UnsplashPhoto by Helena Lopes on Unsplash

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VORAB – DIE DEFINITION VON EMOTIONALEN ESSEN IST JA DURCHAUS SCHWAMMIG

Ich weiß aus meinem analogen Bekanntenkreis und auch von Instagram, dass es viele Menschen gibt, die sehr empfindlich auf Kalorienzählen oder ähnliches reagieren. Und ich habe viele Menschen in meinem Freundeskreis, die emotionales Essen/Fressanfälle verschieden definieren. die meisten meiner Bekannten, die betroffen sind und auch darüber sprechen, leiden an so etwas wie Bulimie. Zu dem Thema Bulimie kann ich ehrlich sagen: Ich leide nicht daran oder hab nie daran gelitten. Das liegt wahrscheinlich aber eher daran, dass ich kaum bis keinen Würgereflex habe und es nie geschafft habe, mich zum Erbrechen zu bringen. In meiner Schulzeit habe ich aber vielen Bulimikerinnen die haare gehalten, mit ihnen geredet oder sie auch teils die Hand gehalten, wenn sie zur Therapie gegangen sind. Das Thema ist mir nicht fremd. Komisch war in dieser Zeit, dass ich selbst essgestört war, aber das bei mir nicht bemerkt habe und auch noich anderen geholfen habe.

Aber es gibt auch durchaus welche, die es schon Fressanfall oder emotionales Essen nennen, meinen schon, dass es ein Drama ist, wenn sie einen Apfel ungeplant essen. Ich finde das Thema emotionales Essen daher sehr schwierig, denn die Definition ist ja schwammig. Es sagt ja keiner: Es ist nur emotionales Essen, wenn du mindestens xyz gegessen hast. Und ich bin mir auch bewusst, ass dieses Thema manche nicht verstehen können, weil sie vielleicht nicht so etwas wie emotionales Essen haben oder vielleicht doch und sie nehmen es nicht bewusst wahr?


Sport und Bewegung ist gesund. Allerdings nahm es bei mir krankhafte Züge in meiner Jugend an.Photo by Haley Phelps on UnsplashSport und Bewegung ist gesund. Allerdings nahm es bei mir krankhafte Züge in meiner Jugend an.Photo by Haley Phelps on Unsplash

Sport und Bewegung ist gesund. Allerdings nahm es bei mir krankhafte Züge in meiner Jugend an.

Photo by Haley Phelps on Unsplash

ZU MEINER VORGESCHICHTE

Nein, ich leide aktuell unter keine Essstörung oder ähnliches. Also macht euch bitte keine Sorgen. Aber bis dahin war es auch ein heftiger Weg. Es ist eine Art Dejavu. So ca. alle 5 Jahre denke ich “Aha, das ist also so. Jetzt bin ich total gesund.” und 5 Jahre später sehe ich dann die Welt mit anderen Augen und ich denke mir, wie peinlich war, weil ich dachte, ich hätte die Weißheit mit Löffeln gefressen. Allerdings bin ich ehemals essgestört und habe ab dem Alter von 16/17 an Anorexie gelitten.

Ich hatte damals aus Liebeskummer in kurzer Zeit sehr viel abgenommen und habe so viel Lob und Zuspruch bekommen. Das positive Feedback hat mich quasi dazu getrieben, immer weiter abnehmen zu wollen. Meine Essstörung zeigte sich dadurch, dass ich alles Essen Grammgenau abwog in einem Buch und ausrechnete mithilfe einer Internetseite. Smartphones gab es ja noch nicht bzw. ich hatte einfach keines. Ich aß nicht mehr als 500 bis 800 kcal pro Tag. Aß ich doch mal mehr, versuchte ich die nächsten Tage nichts zu essen. Meine ganze Gedankenwelt drehte sich nur um Essen. Und ich machte 3 bis 4 Stunden Sport pro Tag. Natürlich kippte ich da auch mal fast um. Ich trank literweise Wasser und kaute Kaugummi und versuchte so durch den Tag zu kommen.

Ich dachte eigentlich, dass ich zu Beginn meines Studiums das Problem in Griff hatte. Aber es war eher so, dass es phasenweise besser und phasenweise schlechter gehen. Je nach Stresslevel. In der Zeit zählte ich keine Kalorien. Meine einfache Rechnung war: Kalorienzählen = Böse. Dass ich nichts aß war keine bewusste Entscheidung. Nein, ich vergaß es einfach im Eifer des Gefechts. Und dann Lob zu bekommen, obwohl ich mir icht mal Mühe gab, ja, nicht gut. Ich habe in diesen Phasen einfach vollkommen das Zeitgefühl und auch das Gefühl für meinen Körper verloren und habe dann die meiste Zeit nur Koffein in Form von Kaffee oder zuckerfreien Energy Drink getrunken und einfach nicht gegessen, weil ich so beschäftigt war und weil ich dann, wenn ich mal Zeit hatte einfach ins Bett gefallen und geschlafen habe.

In den Phasen, wo es dann weniger zu tun gab, habe ich natürlich gegessen und habe dann auch mal was Leckeres gegessen oder mal ein bisschen Junk Food gegessen und habe automatisch wieder zugenommen und hatte auch weniger Bewegung und so bin ich zwischen Kleidergröße 38 und 50 hin und hergeschwankt. Manchmal habe ich in diesen Phasen versucht, bewusst durch Sport und viel Bewegung das Gewicht zu halten, aber es war schwer.

Zu einem späteren Zeitpunkt hatte ich leider Erfahrungen mit Stalking und einer schlimmen toxischen Beziehung machen müssen, daraufhin hatte ich eine Phase in meinem Leben, die sehr von Selbstreflexion geprägt war. Eine große Angst war die vor dem Kontrollverlust. Auch deshalb habe ich bis zu dem Alter von 23/24 Jahren gebraucht. Ich brauchte 2 Freunde, die mich damals zu der psychosozialen Beratung brachten. Diese beiden Freunde waren längst schon in Therapie oder auch bei der Psychsozialen Beratung gewesen. Und rational betrachtet musste ich keine Angst haben, weil ich mir einfach Hilfe suchte und jemanden, der mir zuhörte und Rat geben konnte in meiner Situation, weil eben Stalking, Essstörung, der Stress der letzten Jahre, eben alles seine Spuren und unsichtbaren Narben hinterlassen hatte. Aber ich hatte eine Riesenangst wie eine Zweijährige, die zum ersten Mal ohne Nachtlicht schlafen muss. Einen Morgen, als ich einen Termin bei der pychosozialen Beratung hatte, da heulte ich und schrie das ganze Haus zusammen, ich wollte nicht mehr. MIr ging es so dreckig, es war so aufwühlend und es gab das Jahr 2014, da fühlte ich mich wie so eine Tretmiete mitten auf dem Bürgersteig. Dann 2015 wurde es besser. Von einen Tag auf den anderen beendete ich die toxische Beziehung. Umzug. Neues Leben. Da wieder Schwierigkeiten … Naja, andere Geschichte. Kurz gesagt: Diese Zeit war nicht einfach.




Mit 19 Jahren dachte ich so: Kalorien zählen böse, Waage böse. Aber so einfach war das doch eben nicht …Photo by i yunmai on UnsplashMit 19 Jahren dachte ich so: Kalorien zählen böse, Waage böse. Aber so einfach war das doch eben nicht …Photo by i yunmai on Unsplash

Mit 19 Jahren dachte ich so: Kalorien zählen böse, Waage böse. Aber so einfach war das doch eben nicht …

Photo by i yunmai on Unsplash

ALLERDINGS

Falle ich leider in stressigen Phasen leider ab und an immer noch in dieses alte Gewohnheitsbild zurück und esse wenig oder gar nicht. Beispielsweise habe ich das vor etwa drei Jahren wieder gemerkt, als eine gute Freundin von mir sich umgebracht hat und in der Zeit habe ich dann wieder wenig gegessen und abgenommen. Für mich war es wahrscheinlich ein Schock, weil ich 1. kurz vor dem Tod noch mit ihr telefoniert habe und sie mega happy schien, 2. ich erst über Facebook davon erfahren habe und 3. bis heute nicht weiß, was genau passiert ist. Dieses Mal ging ich eigentlich eher wg. dem Trauerfall zur psychosozialen Beratung. Dort sprach ich auch meine Esstörung an und bekam den Tipp, dass ich doch einfach aufschreiben soll, was ich esse, wenn ich zu wenig esse und dann genug zu mir nehme. Ich habe in schlechten Phasen auch oft das Problem, dass mir ständig ohne Grund übel ist, ich muss das Essen dann geradezu reinzwingen und greife dann gerne zu Essen mit hoher Energiedichte wie Nüsse, Bananen, Nussmus, Avocado, Wenn ich sage, dass mir übel ist, dann schrillen inzwischen selbst bei meinem Mann die Alarmglocken. Das habe ich heute erst wieder gemerkt.

Deswegen tracke ich in solchen Phasen und nur solchen Phasen bislang Kalorien, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich esse und ob ich esse und ob ich regelmäßig esse. Es ist total strange, ich weiß. Ich habe Angst vor Kontrollverlust und eigentlich ist ja dieses Nichtessen oder kein Gefühl für seinen Körper haben ein Kontrollverlust, den ich aber nicht als solches empfinde und da muss ich dann wieder Kontrolle ausüben. Naja, ein geringes Übel. Ich meine, ich finde es schlimmer als früher, wo ich täglich mehrfahc auf der Waage war.

ZUM EIGENTLICHEN THEMA

ich denke, dass es vielen von euch genauso wie mir geht und ihr auch Zustände habt, wo ihr traurig seid oder gestresst seid und das mit Essen kompensiert. Bei mir ist das so ein bisschen Überforderung und ähnlich wie bei einer Panikattacke. Wenn ich das Gefühl habe, das alles zuviel wird. Ich glaube, das ist auch sehr individuell und wahrscheinlich könnt ihr ganz andere Dinge berichten oder seid der Meinung, dass das was ich als emotionales Essen bezeichne gar kein emotionales essen.


Was emotionales Essen angeht, bin ich leider noch nicht zueinem gesunden Verhältnis gekommen. Ich kann leider nicht kontrollieren, wann ich emotional esse. Da kommt plötzlich, wenn ich Überforderung spüre. Eiscreme aus gefrorener Banane geht, aber Ä…Was emotionales Essen angeht, bin ich leider noch nicht zueinem gesunden Verhältnis gekommen. Ich kann leider nicht kontrollieren, wann ich emotional esse. Da kommt plötzlich, wenn ich Überforderung spüre. Eiscreme aus gefrorener Banane geht, aber Ä…

Was emotionales Essen angeht, bin ich leider noch nicht zueinem gesunden Verhältnis gekommen. Ich kann leider nicht kontrollieren, wann ich emotional esse. Da kommt plötzlich, wenn ich Überforderung spüre. Eiscreme aus gefrorener Banane geht, aber Äpfel z. B. nicht.

Photo by Fidel Fernando on Unsplash

MEIN PROBLEM MIT EMOTIONALEN ESSEN

Ich habe eigentlich gar kein Problem in dem Moment, emotional zu essen. Es ist dann halt so, dass ich überfordert bin und inzwischen gelernt habe, das auch zu akzeptieren und es geschieht halt und ich fühle mich besser, weil ich irgendetwas esse, in dem Zucker oder Fett ist. Ich habe tatsächlich versucht, schon das mit Gemüse oder mit Algenchips oder mit Grünkohl Chips oder auch mit selbstgemachten Eis aus veganen Joghurt zu kompensieren, aber bis auf Nanaeis/Nice cream ( Eis gemacht aus gefrorener Banane) lässt sich mein Körper halt nicht verarschen von mir 😅 Auch Nussmus hat gestern erstmals gut funktioniert, nicht pur, sondern auf Brot. Ich werde auch mal Avocado Pudding versuchen. Was ich absolut hasse ist allerdings, dass ich bei emotionalen Dinge esse, die ich gar nicht mal so gerne mag wie eine ganze Tafel Schokolade. Aber meine Probleme sind eben Folgende:

  • Problem 1: ich bereue es, weil ich das Gefühl habe, dass ich zunehme – also einfach das schlechte Gewissen im Nachhinein über den Kontrollverlust.

  • Problem 2: ich habe das Gefühl, mein Ehemann oder meine Familie damit emotional zu belasten, weil ich einfach schlecht gelaunt bin und dass sie durch Essen kompensieren und das Gefühl habe, kein gutes Vorbild zu sein. Gerade in Hinsicht darauf, dass ich irgendwann Mutter sein möchte, ist es meine Angst, dass ich bis dahin meine Emotionen nicht unter Kontrolle habe und meinen Kindern ein schlechtes Essverhalten vorlebe.

  • Problem 3: Ich habe am Tag danach oft einen heftigen Zucker“kater“ und wirklich schlimme Kopfschmerzen und es geht mir dann eigentlich noch viel dreckiger als vor dem emotionalen Essen. Ich fühle mich, als hätte ich wirklich irgendwie eine halbe Flasche billig Wodka am Abend zuvor getrunken. Das ist für micht momentan das schlimmste Problem, denn ich konnte heute den halben Tag vor lauter Kopfweh nicht arbeiten. Egal, was ich aß, ob ich Sport machte oder viel Wasser trank. Ich hatte einen richtigen Dröhnkopf.

PROBLEM 1 HABE ICH FÜR MICH GESTERN GELÖST

Ich bin natürlich keine Therapeutin und auch kein Ernährungsberater und er setzte das nicht, sondern das ist meine individuelle Erfahrung. Bei mir hat es wirklich gestern geholfen, das erste Problem zu lösen und auch nachher dich hat es Klick in meinem Kopf gemacht. Es klingt vielleicht klein und unbedeutend, aber es ist für mich ein Meilenstein auf dem Weg zu einem gesünderen Umgang mit mir.

Denn ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir nicht Gedanken mache, dass wenn ich emotional esse, davon zunehme.

Bei mir war das emotionale Essen insofern natürlich individuell und ich habe jetzt nicht eine ganze Kühlschrank geleert, sondern vier Scheiben Toastbrot und ein großes Eis mit 500ml gegessen, als ich das dann mit meiner App von den Kalorien her getrackt habe, wovor ich persönlich eine riesen Angst hatte, kam heraus, dass ich nur 300 kcal Überschuss habe.

Natürlich müsstet ihr das individuell absprechen mit jemanden, der fachkundig ist im Bereich Ernährung oder Psychologie, aber ich wollte diese Erfahrung meinerseits mit euch teilen.

Sind bei mir ist es wirklich eine Art Quantensprung und eine große Erleichterung, weil ein Ballast von mir abgefallen ist, den ich wirklich seit der Zeit meiner Essstörung habe. Ich wünschte mir sehr, dass ich wieder so essen könnte wie als Kind, als ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht habe da drüber, ob ich von einem Lebensmittel zunehme oder nicht oder ob ich das Essen darf und das nicht essen darf, aber leider gibt es eben verschiedene Gründe in einem Leben wie eben auch verschiedene Lebensmittelallergien, dass ich leider nicht so besorgt an das Thema Essen herangehen kann wir vielleicht andere.





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