Du musst keine Bitch sein

Freitag, Diversity Fashion Days Hamburg. “Huch, das Outfit ist ja ganz schön langweilig.” sagt eine Person und deutet auf das Outfit von mir, der Hose aus der neuen Süperb Kollektion zusammen mit meinem Süperb Couture maßgefertigten Top aus recycleter Seide von Givenchy. Eines der teuersten Kleidungsstücke, die ich besitze und die Teil meines Hochzeitsoutfits war. Nur 5 Minuten später kam eine Schneiderin auf mich zu und erkennt das Material und die Qualität und feiert das Outfit hart.

Dieses Wochenende habe ich mich wieder an meinen altes ich mit Anfang 20 erinnert. Immer nett sein und immer ganz ganz toll alles finden – auch, wenn es dir scheiße geht. Und bloß keinem zeigen, dass ich ein richtig schwarzen und ein richtig dreckigen Humor habe und eine mindestens genauso dreckige Lache.

Besonders Menschen aus meiner Theater Zeit scheinen da teils noch immer nicht, den heutigen Menschen, den sie hier auf Social Media sehen und den Menschen, den sie am Theater kennengelernt haben (als ich noch junge und die ziemlich unsicher war) irgendwie nicht in einem Topf zu kriegen. Und das ist mir ehrlich gesagt auch scheißegal. Früher hatte ich oft sehr viel Wut in mir und hat sie natürlich nicht rausgelassen, weil ich wollte, dass alle mich mögen und das ich keinem zu Last falle.

Aber so einfach ist das Leben nicht und es wird immer irgendjemanden geben, der dich einfach scheiße findet und dein Gesicht nicht mag oder der dich missversteht oder irgendwie ein falsches Bild von dir hat. Manchmal kannst Du daran gar nichts ändern… wenn dir ein Freund die ganze Zeit immer nur sagt, wie scheiße sein Partner ist, dann bist du da natürlich voreingenommen. Schließlich hast du mehr Vertrauen und engeres Verhältnis zu deinem Freund…

Natürlich tut es weh, wenn Leute über dich lästern. Das hatte ich beispielsweise auf meiner eigenen Hochzeit. Im ersten Moment möchte man am liebsten diese Person direkt anschreiben, ich meine wtf, du bist zu einer Feier eingeladen und wenn du diese Person nicht im mehr magst oder nicht mehr so ein enges Verhältnis hast oder allgemein nicht gut drauf bist du da struggles in deinem Leben hast, dann sag doch bitte ab bevor du irgendwie einen auf partycrasher machen willst. Aber im zweiten Moment muss man ja auch daran denken: du bist nicht die Person mit dem Problem. Die Person mit dem Problem ist die Person die über dich lästert. Und die Frage ist dann natürlich: Will ich dieses Problem zu meinem eigenen Problem machen oder sollte ich es nicht einfach dabei belassen und Konsequenzen daraus ziehen?


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Aber das ist ja nicht das einzige Problem dass überhaupt Leute über einen lästern, weil das kriegt man ja den meisten seien überhaupt nicht mit und ist eben auch eine Form der passiven Aggressivität, die sehr verbreitet ist. Zu dem Thema empfehle ich euch das Buch “Böse” von Dr Julia Shaw.

Meiner Meinung nach ist ein viel größeres und gravierendes Problem, das sehe ich immer wieder das kleine Gedankenkarussell einschleicht bei mir. Ich sehe bei so Chemie dass er sich eine Userin mit dieser Userin was zu tun hat und ich weiß dass diese Userin nicht auf mich gut zu sprechen ist wahr wir mal Streit vor Jahren hatten und dann frage ich mich: “Oh nein, jetzt habe ich bestimmt bei der verschlissen!”

auch wenn mein Kleidungsstil ab meiner Jugend schon öfters sehr exzentrisch war, hatte ich sehr auf diese Momente und diese Angst, ich könnte einen schlechten Eindruck hinterlassen haben. Oh mein lieber Ehemann Jonah ist der einzige Mensch der diese Momente bei mir entdeckt und mich auch direkt darauf anspricht, weil er eben Jona ist. Letztes Jahr habe ich beispielsweise mit der Chefredakteurin von The curvy Magazine geredet und war einfach super nervös und hatte super Angst ohne irgendwie einen logischen Grund dafür zu haben und Jona hat das sofort an der nervösen lache enttarnt… Junge, Junge, der Mann liest mich wie ein Buch.

Ich versuche mich von diesem Gedanken zu befreien, aber es ist schwierig und weiterhin noch immer eine weite Reise. Ich hoffe einfach inständig, dass es mir mit dem Alter mehr und mehr egal wird und dass ich bewusst gegen diese Ängste anarbeite.

Aber ich muss keine Bitch sein und ich muss nicht aggressiv sein und ich muss nicht auf Menschen losgehen und Angriff machen. Das war meine Strategie, als ich jung war: explodieren und so richtig ausrasten. Diese Energie spare ich mir heute und ich möchte auch nicht die Wut in mich reinfressen. Wenn mich etwas nervt und diese Person mir nahe steht und wichtig ist, dann versuche ich erstmal mich zu beruhigen und dann in einer sachlichen Art und Lage zu schildern, dass es mir scheiße geht mit der Situation – worum auch immer es geht. Manchmal ist es eben ganz gut, auch diese unbequemen Thema anzusprechen. Und manchmal klappt es eben nicht und in meinem persönlichen Umfeld sind leider zwei Freundschaften zerbrochen, beides mal wegen Aussprache, die eine der Seiten nicht führen wollten. Das tut natürlich weh und es kam bei einer Freundschaft die zu Ende geht genauso wehtun wie bei einer Trennung von einem Liebespartner, wenn einen über die Jahre viel verbunden hat. Aber letztendlich konnte ich für meinen Teil in beiden Fällen nicht selber machen. Ich hatte angesprochen, das Problem zu besprechen und es ist nicht meine Entscheidung, auf die andere Seite das auch möchte und ob der anderen Seite unsere Beziehung so viel mehr wert ist wie mir.

Gerade dieses Wochenende waren viele Menschen da und es gab viele Situationen, wo ich beispielsweise eine Person nicht erkannt habe oder andersrum ich die Person nicht angesprochen habe und sie mich nicht angesprochen hat… darüber mache ich mir zum Glück keine Gedanken mehr. Wenn du ein Problem mit mir haben solltest, dann kannst du gerne darauf ansprechen. Oder es lassen. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden und ich muss weiter lernen nicht alles zu zerdenken.

Nur weil dieser Instagram User und jener Instagram User nicht gut miteinander können oder noch ein ganz anderer Mensch sich komisch verhalten hat, mag das nicht heißen. Es ist nicht verunsichern lassen und einfach daran denken, das ist so viele schöne und produktive und entspannende und gute Dinge da draußen gibt und auf die kann man sich stattdessen ganz und gar konzentrieren und nicht auf all diesen negativen Scheiß.




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